Dienstag, 6. Juli 2010

Frankfurter Sparkasse Ironman European Championship









Ironman Frankfurt, wie lief's?
20. Platz overall zweiter in der Altersklasse damit kann ich zufrieden sein. Eine Steigerung gegenüber letztem Jahr.
Vielen Dank an alle, die mich bei meinem Rennen unterstützt haben. Das sind oft viele Kleinigkeiten dabei, wie zum Beispiel die Fahrt zum Start mit Stephan Hühnerkopf und Annette, die uns um 4 Uhr morgens gefahren hat. Oder die Anfeuerungsrufe von Michael, Fabian und Frank an der Laufstrecke.
Die größte Unterstützung kommt natürlich von meiner Frau Astrid und meinen Kindern Paula, Elisa und Benedikt, die ich noch mehr liebe als den Triathlonsport. Ohne sie wäre ich nicht, wo ich heute stehe.
Jetzt aber mal zum Rennen und der Zeit davor. Am Freitag kann ich mich noch ein schönes Abendessen mit der Familie erinnern. Unser traditionelles Pizzaessen am Freitag Abend. Das gibt es schon seit ich Astrid kenne. Diesmal war es für mich aber keine Pizza sondern Spaghetti Bolognese, mein Lieblingsessen vor und nach einem Wettkampf.
Am Samstag habe ich aber Kartoffelbrei und Tomaten gegessen. Das ist noch weniger belastend und Kartoffeln sind noch wertvoller als Nudeln.
Am Sonntag bin ich um 3:30 Uhr aufgestanden und habe ein Honigbrötchen und einen halben Powerbar gegessen. Dazu Apfelschorle ca. 400 ml. durch die frühe Abfahrt um 4:00 Uhr waren wir schon um 5 Uhr am Start, das war sehr gut. Damit hatte ich noch genügend Zeit mein Rad mit der Verpflegung zu Versorgen. 2 x 0,75 l Maltodextrinmischung in den Flaschenhaltern und 800 ml vorne im Trinksystem, dazu noch 400 ml Wasser auch im Trinksystem. In der Rahmenbox hatte ich 3 Powerbars in Hälften geschnitten und 3 Powergels. All das sollte mich über die Radstrecke bringen.
Als es hieß, noch 30 min bis zum Start ging ich langsam zum Wasser. Dort war für die erste Startgruppe ein Bereich abgesteckt. Ich schwamm mich ein bisschen warm mit Faustschwimmen und Steigerungen. Es war überhaupt keine Vorstartdrängelei wie sonst immer bei großen und kleinen Wettkämpfen. Die meisten Starter waren weiter links, obwohl das der längere Weg sein musste. Macca fragte noch, ob wir hier richtig sind. Dann fiel der Startschuss. So viel freie Bahn hatte ich noch nie bei einem Ironman. Das Wasser war mit 26 ° C schön warm. Mein Einteiler war goldrichtig, schön eng ohne spürbarenWasserwiderstand. Irgendwann traf ich auf den Hauptstrom der Schwimmer, aber selbst dort war es immer sehr angenehm zu schwimmen. Kein Gedränge oder Schlägereien. Bis zum Landgang versuchte ich noch bei anderen im Wasserschatten zu schwimmen, aber das war zu langsam. Es waren keine schnellen Schwimmer mehr in der Gruppe, so dass ich mich nach dem Landgang allein auf die Reise machte. Vor mir waren erst in der Ferne kraulende Arme zu sehen. Kurz vor der 2. Wende war es gespenstisch. Wo sind denn die anderen? Schwimme ich noch richtig? Aber dort sind die Bojen und es gibt keinen anderen Weg. Ich war richtig froh als ich Ivonne van Vlerken überholte, die ich an ihrer rosaroten Bademütze erkannte. Endlich ein menschliches Wesen auf der Strecke. Die ganze letzte lange Gerade zum Schwimmausstieg schwamm ich Mutterseelen allein.
Auf meinen 1. Wechsel bin ich richtig stolz! 2:20 min ich habe noch keinen gefunden, der schneller war. Die steile Rampe zu den Rädern bin ich schnell aber kontrolliert hoch gerannt. Am Umkleidezelt wollte mich doch einer überholen, er hat aber dann einen viel zu weiten Weg genommen und da war ich wieder 5 m vorne. Da ich im Einteiler geschwommen war, musste ich nichts ausziehen oder anziehen. Ein Kleidungsstück für alles. Schwimmen, Radfahren, Laufen; Triathlon kann so einfach sein. Wie damals 1986 bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ratzeburg. Es gab noch keine Neoprenanzüge.
Also schnell aufs Rad und los. Die ersten flachen Kilometer nach Frankfurt waren angenehm. Wieder war ich allein und konnte mich ganz auf mich konzentrieren. In Frankfurt nach der Vorbeifahrt an der Wechselzone kam Christian Müller von hinten. Ich hatte keine Probleme im zu folgen. Das war genau mein Tempo. Alle 30 min nahm ich einen halben Powerbar zu mir. Alle 15 min oder öfter trank ich aus dem Trinksystem meine Mischung. Es klappte alles hervorragend. The Hell mit Kopfsteinpflaster machte richtig Spaß. Wir sammelten einige Athleten auf und so bildete sich eine kleine Gruppe von 5 Mann. So ging es dann bis km 80 dahin. Erst dann überholten wir die erste Frau. Vor Friedberg überholte uns Marko Schlittchen. Einige konnte nicht folgen, damit war die Gruppe gesprengt. Das Tempo, das Marko vorlegte war für mich das Limit. Bis zum Heartbreak Hill in Bad Vilbel blieb ich dabei. Aber dann musste ich ihn und zwei andere ziehen lassen. Runter nach Frankfurt fuhr ich auf zwei andere Konkurrenten auf, die aber nicht richtig schnell waren. Ich machte dann bis nach Bergen-Enkheim wieder das Tempo, bis eine Gruppe mit Lothar Leder und den vorher abgehängten wieder dran war. Mein Rad rollte wieder tip top, in den Abfahrten musste ich nicht treten, als die anderen schon voll reinsteigen mussten. Das set up mit FELT DA, Trispoke, Scheibe, Michelin Pro 3, engem Einteiler und Aerohelm ist einfach kaum zu toppen. Wenn ich hier Gruppe sage, dann sind damit 4 bis 5 Leute gemeint. Windschatten wurde um mich herum nie gefahren. Jeder war fair, auch wenn kein Motorrad in der Nähe war. So sollte es sein. Ich hängte mich also an Lothar ran. Wahrscheinlich hätte ich noch schneller gekonnt, denn mein Puls war oft unter 65 % aber nach 3 Rennstunden konnte ich nichts mehr essen. Hatte ich es zuvor mit den Powerbars übertrieben? Meine Getränke konnte ich planmäßig trinken nur mit dem Essen war es nichts. Ein Powergel brachte mich zum Würgen.
Wenn ich aber meine Energiebilanz anschaue so bin ich doch auf 60 g KH/h gekommen und das ist für mich als Leichtgewicht ausreichend. Es hätte nur besser verteilt sein sollen. Das nächste mal (Hawaii) werde ich pro Stunde ein Gel essen. Das hat im Kraichgau besser funktioniert als die strohigen Powerbars.
Die Groupe Leder blieb bis ins Ziel so zusammen und nach einem schnellen Wechsel lief ich knapp hinter Lothar los. Alle anderen der Gruppe habe ich in der Wechselzone abgehängt. Das war auch ein Ziel meiner mentalen Vorbereitung: konzentrier dich auf deine Wechsel. Die Wechselzone ist nicht zum Ausruhen da! Nach etwa 4 km war ich auf Lothar aufgelaufen und konnte ihn auch stehen lassen, weil er ein dringendes Geschäft erledigen musste. Ich mache das kleine immer im Laufen, das kostet dann nur ein paar langsamere Schritte. Plötzlich hatte ich Polizeibegleitung auf Fahrrädern mit Pistolen im Gürtel und ein Motorrad dahinter. Auch schön dachte ich. Da kann mir nichts von aufdringlichen Fans passieren. Es dauerte eine Weile bis mich Andreas Raelert überholte und da wurde mir auch klar warum die Bewaffneten um mich herum waren. Andreas hatte Lothar im Schlepptau, der rannte doch glatt bei Andreas mit. Was der kann, kann ich auch und hängte mich auch hinten rein. Das ging so einen Kilometer gut, dann sagte ich mir, wenn ich das so weitermache komme ich wohl nicht mehr ins Ziel. Das Tempo von Andreas war gar nicht mal so hoch bei 4:10 aber ich wusste, dass ich mit der Energieversorgung Probleme bekommen, wenn ich dort dran bleibe. Meine Beine wären gut genug gewesen, die Luft hätte auch gereicht. Nur ein leichtes Zwicken im Oberschenkel deutete auf mögliche Krämpfe hin. Also jede Runden eine Salztablette aus dem Saltstick. Das hat sehr gut gewirkt. Die Kombination von Cola und Salz gab mir jedesmal nach der Verpflegungsstation eine kleinen Schub. Doch leider nur einen kleinen. Gels konnte ich immer noch keine essen. In der dritten Runde griff ich sogar zu Kuchen, obwohl ich wusste, dass die Energiedichte zu gering ist. Aber es war das einzige was ich essen konnte. Das Isogetränk war für meinen Geschmack auch zu dick angemacht, so dass ich es immer wieder auspucken musste, sobald ich es in den Mund nahm. Ich hielt mich also mit Cola mehr recht als schlecht über Wasser. Nach vorne ging nichts mehr außer, dass ich ein paar gestrandente überholte und von hinten kamen auch nur zwei oder drei.
Als ich in der zweiten und dritten Runde war, kamen immer wieder Läufer, die in ihrer ersten oder zweiten Runde waren und überholten mich. Fast alle habe ich aber am Ende doch wieder eingeholt. In der dritten Runde kam dann Timo Bracht von hinten und ich lief auch ihm wieder ein paar hundert Meter nach. Im Vergleich zu Andreas Raelert war Timos Tempo aber viel schwerer zu halten. Habe ich mich nicht genug gequält? Ich konnte ja bei den besten mitlaufen.
Die Frage ist nur für wie lange? Lothar habe ich ja auch fast noch wieder eingeholt. Er muss also nach seinem Lauf mit Andreas noch mehr abgebaut haben als ich.
Den Zieleinlauf konnte ich dieses Jahr richtig geniessen. Hinter mir kam keiner, den ich niedersprinten musste. Ohne Krämpfe läuft man auch leichter. Aber nur ein kleines bisschen schneller und sie hätten mich gepackt.
Es war wie immer eine grundsolide Leistung. Highlights waren die schnellen Wechsel und das Schwimmen ohne Neo. Das Radfahren war auch noch ok.
Die Ernährung hat wie so oft wieder nicht perfekt geklappt. Beim Marathon war es wieder mal nach der Hälfte aus mit Gas geben.
Was mache ich nun?
Der Schlüssel zu einem schnellen Marathon liegt in einem kontolliertem Radpart und der richtigen Ernährung.
Für Hawaii bedeutet das: gute Vorbereitung durch lange Radeinheiten am besten in der Hitze und längere sanfte Berge. (Das Frühjahr war zu nass!)
Ernährung für Hawaii: 1 Gel pro Stunde und eine Flasche Maltomix. Das belastet den Magen nicht. Die Saltsticks am Rad und beim Laufen haben sich bewährt.
Beim Laufen ändere ich nichts. Schneller im Training zu laufen bringt doch auch nichts mehr, wenn ich nach dem Rad zu müde bin das Tempo aufrecht zu halten.
Nächster Wettkampf Heidelbergman, weil ich die Strecken mag und es ist so nah.
Ein Foto von mir gibts auf http://ironmanlive.com/photos.php?race=germany&year=2010

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen