Sonntag, 28. August 2011

Endlich ein Top Ten Platz bei einer internationalen Langdistanz.


10. Platz bei der Challenge Kopenhagen. Mit 43 Jahren habe ich das geschafft, was ich als ich jung war immer erreichen wollte. Mehrere Male war ich nah dran als 12. in Zürich 1998 oder 2008 als 11. in Roth. Dieses Mal hat es geklappt. Gut, das Feld ist nicht so stark wie in Roth oder Frankfurt, aber bei allen anderen Ironman oder Challenge Wettkämpfen wäre die Zeit auch für einen top ten Platz gut gewesen. Ich bin ja immer nur bei stärkster Konkurrenz in Frankfurt gestartet. Da ist ein top ten Platz für einen Nicht-Profi fast aussichtslos.
Nach meiner Disqualifikation „wegen Vermüllung der Landschaft“ (Radflasche weggeworfen) in Frankfurt habe ich mich noch am Tag darauf beim nächsten möglichen Langdistanzwettkampf angemeldet, der noch Startplätze hatte. Der Ersatzwettkampf sollte möglichst dicht hinter Frankfurt sein, damit ich meine wertvolle, über 6 Monate aufgebaute Form auch bei einem Wettkampf zeigen kann.
Die Wahl fiel auf Kopenhagen. Embrun wäre auch eine Option gewesen. Dazu hätte ich aber ein bergtaugliches Rennrad gebraucht, was ich im Moment nicht besitze. Die Quali für Hawaii war mir nicht mehr so wichtig. Ich war ja schon 8-mal dort. Nun war es eben Schicksal. 2011 steht für mich Hawaii nicht auf dem Programm.
Meine über Jahre gesammelten Meilen bei der Lufthansa konnte ich nun für den Flug nach Kopenhagen endlich sinnvoll einsetzen. Ich reiste am Freitag vor dem Rennen an. Untergebracht war ich im Rennhotel Bella Sky, wo auch die Wettkampfbesprechung und die Siegerehrung stattfanden. In Kopenhagen konnte man alle Standorte des Rennens bequem mit der Metro erreichen. Zum Start am Amager Strand oder zur Startnummernausgabe auf dem Rathausplatz, vom Flughafen zum Hotel oder vom Ziel zum Hotel. Für mich als Einzelkämpfer ohne Begleitung und Mietwagen einfach ideal.
In Kopenhagen gibt es Startgruppen für Profis, Frauen und Altersklassen. Ich war nicht enttäuscht, dass ich nicht in der ersten Profistartgruppe war, weil dort auch kein anderer Altersklassenathlet zu finden war. Alle guten Age Grouper waren in der dritten Startgruppe um 7:15. Somit war von Anfang an Chancengleichheit gegeben.
Am Samstag fuhr ich mein Rad vom Hotel zum Amager Strand durch Kopenhagens Vororte zum Check in. Eigentlich sind das nur 6 km, aber für mich waren es nach einigen Irrfahrten 25 km. Aber das war gar nicht schlecht zur Auflockerung vor dem Rennen. Kurz vor dem Check-In bemerkte ich einen Plattfuß am Hinterrad. Ok, vielleicht ist mein Veloflex Record Reifen doch etwas zu pannenanfällig. Dafür ist er aber das Schnellste, was derzeit auf dem Markt ist. Lieber einen Plattfuß vor dem Rennen als im Rennen. Ich schob also mein plattes Fahrrad in die Wechselzone und wechselte den Schlauch. Mit 8 bar aufpumpen, das sollte halten bis zum Start. Ich pumpe meine Reifen immer am Vortag etwas stärker auf, damit ich am Wettkampftag keine Hektik mit dem Aufpumpen habe. Der Druck vom Vortag sollte genügen. Eine eigene Pumpe in die Wechselzone mitnehmen ist nicht möglich, und die vom Veranstalter gestellten Pumpen sind meistens alle besetzt oder nicht geeignet, um Scheibenräder aufzupumpen.
Jetzt brauchte ich aber noch einen neuen Ersatzschlauch für alle Fälle für den Wettkampf. Den holte ich mir dann auf der Messe auf dem Rathausplatz mitten in Kopenhagen. Zum Glück hatte ich bei meiner Ankunft am Flughafen in Kopenhagen gleich ein 72-h-Ticket gekauft. Damit brauchte ich mir keine Sorgen um weitere Fahrkarten in der Metro zu machen.
Zurück im Hotel wollte ich meine Speicher für das Rennen auffüllen. Doch im Hotel gab es nur ein teures Menu mit 3 oder 5 Weinen oder einen Nudelsalat an der Bar. Die Spaghetti Bolognese von der Kinderkarte, die ich gerne gehabt hätte, wollten sie mir nicht geben, auch nicht, als ich mich ganz klein machte. Dann eben den Nudelsalat mit Nudeln und Salat im Verhältnis 1:1. Das ist nicht optimal, aber es sollte reichen. Im Zimmer hatte ich noch Energieriegel und Bananen zum Auffüllen. Wichtiger war das Essen bei der Pasta Party am Vortag. Dort gab es Nudeln mit Fleischklösschen zum Sattessen.
Ich ging früh zu Bett, konnte aber nicht einschlafen. Nach unzähligem Durchschalten aller dänischen, schwedischen und deutschen Programme im TV konnte ich immer noch kein dänisch oder schwedisch, aber wenigstens war ich um 22:30 so müde, dass mir die Augen zu fielen.
Um 4 Uhr ging der Wecker an meiner Armbanduhr und am Handy los. Ich brauche immer diese doppelte Absicherung vor einem Wettkampf. Vor Roth 2008 hätte ich beinahe verschlafen, weil mein Wecker an der Armbanduhr zwar für 4 Uhr, aber nur für Montag bis Freitag aktiviert war. Zum Glück hat mich damals Astrid geweckt. Da war doch was?!
Als besonderer Service öffnete das Frühstücksbüffet im Rennhotel am Wettkampfmorgen schon um 4 Uhr, auch ein Vorteil des Aufenthalts im Rennhotel. Ich trottete zum Frühstücksraum. Dort saßen schon eine Menge Athleten herum und aßen alles Mögliche und Unmögliche. Eier und Speck und so weiter. Ich hielt mich an meine 6 Scheiben Weißbrot mit Honig oder Marmelade. Der Honig im Hotel war so früh noch nicht auf, so dass ich mit Marmelade vorlieb nehmen musste. Die einzige Marmeladenschüssel war nach der 2. Scheibe Brot auch leer. Aber Nachschub kam für die nächsten 4 Scheiben nach 10 Minuten. Ich trank noch zwei Gläser stark mit Wasser verdünnten Orangensaft und machte mich wieder auf in mein Zimmer. Mit 5 Radflaschen Getränken, etlichen Gels, Wechselkleidern für nach dem Wettkampf und dem Neoprenanzug im Rucksack lief ich der schleichenden Prozession zur Metrostation hinterher.
In der Metro traf ich entweder müde Partygänger des Kopenhagener Nachtlebens nach durchzechter Nacht oder ebenso müde Triathleten auf dem Weg zum Start. Eine gute Mischung. Ein Triathlet hielt mir die ganze Zeit ein dick mit Nutella geschmiertes Brot vor meine Nase. Hoffentlich isst er es jetzt endlich oder schmiert es mir nicht beim nächsten ruckligen Anfahren oder Abbremsen der Metro an die Jacke. Ich glaube, der Nutellamann war ein Deutscher. An der Umsteigestation war ich dann so konzentriert auf den Wettkampf, dass ich nicht in Richtung Start, sondern wieder zurück in Richtung Hotel fuhr. Merkwürdig, dass all die anderen plötzlich nicht mehr in diesem Zug waren. Na gut, dann eben mit der nächsten Metro zum Start. Von da an kannte ich das ganze Kopenhagener Metronetz auswendig. Endlich am Startgelände angekommen prüfte ich sofort mein Fahrrad, vor allem die Reifen. Die Luft hat gehalten. Zwei Radflaschen ans Rad und den Jetstream auffüllen. Drei Gels in die Rahmentasche und zwei in den Jetstream oben rein geklemmt. (Das war keine so gute Idee, da sie drohten heraus zu fliegen, oder so fest geklemmt waren, dass sie gar nicht mehr herausgingen) Die Radschuhe einklinken und mit Gummis am Rad befestigen. Helm und Brille in die richtige Position legen und die Startnummer vor das Rad legen. In Dänemark braucht man keine Startnummer beim Radfahren zu tragen. Die Helmnummern und die Nummer am Rad sollen genügen. Aber ich wollte meine vertraute Wechselroutine nicht verändern, so dass ich das Startnummernband wie gewohnt platzierte.
Dieses Mal wärmte ich mich wieder richtig auf. Bei den letzten Wettkämpfen hatte ich darauf aus Faulheit verzichtet. Vielleicht ein Vorzeichen? Ich lief immer wieder in der Wechselzone den Weg vom Wasserausstieg zu meinem Fahrrad und zum Ausgang der Wechselzone. Damit prägte ich mir das Wechselprozedere ganz genau ein. Dazu machte ich 2 Steigerungen. 15 Minuten vor dem Start zog ich mir den Neopren an. 10 Minuten vor dem Start begab ich mich zur Startlinie. In Kopenhagen gibt es einen Landstart. Man darf auch nicht zum Einschwimmen ins Wasser vor der Startlinie. An der Startlinie lief alles bis zum Start sehr fair ab. Die Kampfrichter brachten alle Athleten hinter die Startlinie und alle akzeptierten es, nicht wie bei so vielen Wasserstarts, bei denen sich vor allem die Profis kurz vor dem Start immer weiter vor die gedachte Startlinie drängen.
Das Startsignal ertönte und los ging es. Alles schön fair, kein Gedränge und Geprügel wie so oft, ein Traumstart. Ich sah die Führenden ziemlich lang und konnte frei und schnell schwimmen. Am Anfang fror mir das Gesicht ein bisschen ein, weil das Wasser nur 18°C hatte. Gegen die Kälte hatte ich mir noch eine zweite Badekappe unter die vom Veranstalter aufgezogen, das half mir in diesem Fall einen warmen Kopf zu behalten. Mein Aquaman Neopren leistete mir wieder wertvolle Dienste. Er sitzt so gut, dass praktisch kein kaltes Wasser eindringt. Unten an den Waden ist er ein wenig kurz, so dass ich wegen der Kälte des Wassers immer an Wadenkrämpfe dachte. Aber sie kamen nicht. Und wenn die nicht kommen, sind meine Waden vollkommen ausgeruht. Ich habe bei mir beobachtet, dass Krämpfe meistens nicht durch äußere Einflüsse wie Kälte, Hitze, Mineral- oder Wassermangel entstehen, sondern durch Ermüdung der Muskulatur. Das Schwimmen findet in Kopenhagen in einer kleinen Lagune vom Meer abgetrennt statt. Das Wasser ist deshalb fast wellenlos, und dazu ist es ziemlich flach. Man kann fast überall den Boden sehen. An manchen Stellen ist es so flach, dass man fast den Boden berührt. Aber je flacher das Wasser desto schneller kann man schwimmen. Oft schwimmt man durch Seegras. Die Orientierung ist auch sehr gut, da man unter zwei relativ schmalen Brücken durch muss. Dazu hatte ich meistens zwei gute Schwimmer zur Begleitung, einer rechts und einer links von mir. Dadurch war ich mir immer sicher auf dem richtigen Weg zu sein. Das Schwimmen ging wie aus einem Guss. Zu keiner Zeit hatte ich Probleme. Zunächst dachte ich, ich wäre wieder zu locker geschwommen und deshalb langsam. Aber als ich später meine Zeit sah, war ich richtig stolz: 52:03 min im Schnitt 13:42 min/km. Das war genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Endlich hatten sich die vielen Tausender im Freibad ausgezahlt. Ich wusste, dass ich unter 14:00 min auf 1000 m durchschwimmen kann. Ein schneller Wechsel aufs Rad und weiter geht’s. Mein Rad stand zum Glück auf Asphalt und nicht auf der aufgeweichten nassen Wiese. Schon im Wechsel überholte ich 9 Leute, wie ich später auf der detaillierten Ergebnisliste sehen konnte. Die ersten Kilometer auf dem Rad durch die Vororte von Kopenhagen ließ ich ruhig angehen und begann gleich mit der Verpflegung. Ein Sponser Liquid Energy Gel aus der Tube und dazu Sponser Competition Getränk. Endlich habe ich einen Anbieter gefunden, dessen Produkte für mich perfekt passen. Ich vertrage sie sehr gut und sie haben gerade so viel Geschmack, dass es keine Last ist sie zu verzehren, aber auch nicht zu viel Geschmacksstoffe und Säuren wie bei so vielen anderen Produkten, die weniger auf die Verträglichkeit beim Wettkampf schauen als die Absatzzahlen im Lifestyle Segment. In dieser Phase fuhr ein Engländer mit großem Gang und mächtig Druck auf seinem Giant mit Zipp 808 Laufrädern an mir vorbei. Ich machte mir innerlich einen Merker: den sehe ich noch vor dem Radziel wieder. Mein Felt mit den Hed Jet 9, der Jet Scheibe und den Veloflex Record Reifen ist seinem Material überlegen. Jetzt muss nur noch der Fahrer alles richtig machen. Kontinuierlich holte ich vor mir liegende Altersklassenathleten ein, obwohl ich bis Kilometer 50 noch wirklich locker fuhr. Immer so mit 42 km/h auf der Ebene. Der Rückenwind half mir. Es wäre auch schneller gegangen, aber der Erfolg kommt zu dem, der warten kann. Das Wetter war auch angenehm. Der ganze Wettkampf spielte sich zwischen 17 und 21°C ab. Von hinten kamen dann zwei Fahrer, die mich überholten, aber ich hatte keinerlei Probleme an ihnen dranzubleiben. Da passierte es auch schon, an einer leichten Steigung ließ ich meinen Tritt nicht aus und fuhr näher an meinen Vordermann auf. Schon hatte ich mir eine Stop and Go Strafe eingefangen. In Deutschland wäre mein Abstand nie und nimmer aufgefallen, aber hier in Dänemark wurde streng kontrolliert. Sogar der spätere Sieger Tim Berkel bekam eine Zeitstrafe. So soll es sein, selbst wenn ich betroffen war, muss ich den Kampfrichtern ein Kompliment machen: 10 m sind 10 m, da sind 7,5 m Abstand einfach zu wenig und eine Strafe ist gerechtfertigt. Auch wurde ohne Ansehen der Person bestraft. Ich würde mir wünschen, es gäbe überall so faire Wettkämpfe wie dieser.
Die Radstrecke führte zunächst nach Norden an der Küste entlang. Auf der anderen Seite des Meeres konnte man in der Ferne Schweden sehen. Immer wieder gab es leichte Hügel, die ich aber locker im großen Blatt abspulte. Dann führte die Strecke im Zick-zack über welliges Ackerland auf Landstraßen nach Westen zum Teil ziemlich schmale Feldwege. Der Asphalt war aber immer in Ordnung. Nur auf der zweiten Runde wurde es manchmal enger beim Überholen überrundeter Fahrer. Auf dem Rückweg nach Süden wurden die Straßen wieder breiter und es gab langgezogenen Hügel, auf denen ich in der zweiten Runde sogar mal auf das kleine Blatt schalten musste, zum Beispiel am Bakke Holte einem Berg, der auch von den Radprofis bei der kommenden WM in Kopenhagen bewältigt werden wird. Bis km 130 blieben mir meine zwei Mitfahrer treu, die ich an den Verpflegungsstellen immer wieder überholte solange ich noch nichts von außen brauchte. Ab km 130 machte dann zuerst mein erster Begleiter schlapp. Zunächst dachte ich, er müsste ein stärkerer Radfahrer als ich sein, da er mich immer überholte, als ich in Führung unserer Dreiergruppe war. Doch dann ließ er in zweiter Position eine immer größere Lücke zum Führenden klaffen. Also war jetzt die Zeit gekommen ihn zu überholen. Auch der Führende unserer Gruppe, der noch in der ersten Runde den Bakke in Holte hinauf gestürmt war, als gebe es kein Morgen, wurde jetzt langsamer und begann sich immer wieder aufzurichten und die Aeroposition zu verlassen. Bei km 150 ließ ich auch ihn hinter mir. Ich war noch relativ frisch und hatte überhaupt keine Probleme die Aeropostion zu halten. Schade, dass ich nun all meine Eigenverpflegung verbraucht hatte und Getränke und Gels vom Veranstalter annehmen musste. Das Iso und die Gels waren bei Weitem nicht so bekömmlich wie die Sponser Gels und das Sponser Long Energy Cola Getränk, das manchmal ein bisschen nach Kartoffelbrei schmeckt durch die enthaltene Kartoffelstärke. Aber das ist eine willkommene Abwechslung und außerdem bleibt der Energielevel dadurch über lange Zeit schön konstant.
An den langen Anstiegen Richtung Kopenhagen sah ich auch den Engländer vom Anfang wieder. Es dauerte aber noch eine ganze Weile bis ich ihn wieder eingeholt hatte. Ich saugte mich langsam und allmählich an ihn ran. Die letzten 30 km konnte ich nun meine Stärke ausspielen. Ich war noch voll da, nur die Verpflegung musste ich von außen sicherstellen. Ich überholte sogar den ersten Profi, der 15 min vor mir gestartet war. Wie in Roth 2008 waren die letzten 30 km wieder auf Profi-Niveau. Der Engländer hinter mir quälte sich noch bis zum Wechsel hinter mir her. Auf gut Englisch könnte man sagen: „he was fried“, das konnte ich an seinem Gesichtsausdruck im Wechselzelt sehen. Beim Wechsel zum Laufen stürmte ich durchs Wechselzelt und hinaus auf die Laufstrecke. Meine Beine fühlten sich hervorragend an. Endlich hatten meine langen Radausfahrten Profit abgeworfen. Auch kam mir entgegen, dass ich gleich mit der Spitze aus dem Wasser kam. Ich musste also nicht Zeit aufholen. Durch den Start in Frankfurt als Generalprobe wusste ich auch besser, wie ich mir das Rennen einteilen muss. Nur nicht zu früh angreifen. Das Rennen geht erst nach 100 Kilometer richtig los und ab 150 Kilometer kann man sich richtig anstrengen. Auch kommen mir Rennen entgegen, bei denen nicht so viele Konkurrenten um mich herum sind, die meine Konzentration stören, wie durch unsinnige Überholmanöver oder überhöhtes Tempo in der Anfangsphase.
Auf der Laufstrecke fühlte ich mich richtig wohl, es war wie an einem meiner Samstage mit Ironmantraining: zuerst Schwimmen ca. 30 min, dann eine lange Radtour von 3 bis 6 Stunden und ein Koppellauf von 20 bis 50 min.
Mein Tempo war bei 3:40 min/km, wie ich später in der Liste sah. Ich hatte wieder keinen Pulsmesser an. Nur das Gefühl sollte mich leiten. Die ersten 10 km vergingen wie im Flug. Mühelos konnte ich den bis dahin führenden Björn Anderson überholen. Damit war ich leider nicht in Führung des Rennens gegangen. Denn Björn war schon in der zweiten Runde und ich erst in der ersten. Dennoch fragte mich der Polizist auf dem Führungsmotorrad, ob ich jetzt der Erste wäre. Ich musste verneinen. Auch die zweite Runde lief noch hervorragend. Ich verbrauchte meine drei Sponser Liquid Energy Gels bei km 10, 15 und 20. Dazu trank ich Wasser und Iso vom Veranstalter. Alles lief perfekt. Ich wusste, dass ich ein außergewöhnliches Rennen machte, aber wo ich genau lag, war nicht festzustellen, da die Profis 15 min vor mir gestartet waren und ab der zweiten Runde immer mehr Age Grouper die 10 km Runde bevölkerten. Ich hielt mich also nicht lange damit auf, meine Konkurrenz zu sondieren und konzentrierte mich voll auf mein eigenes Rennen. Vielleicht wäre im Kampf „Mano a Mano“ oder „head to head“ noch mehr drin gewesen. Doch zunächst hatte ich ein ganz natürliches Problem: ich musste dringend eine Toilette aufsuchen. Bei km 31 an der Verpflegungstelle wollte ich mich erleichtern. Das „große Geschäft“ meine ich. Das kleine mache ich mittlerweile aus vollem Tempo praktisch unsichtbar. Aber bitte nicht weitersagen. Ich lief schon mit zusammengekniffenen Pobacken auf die Klos zu, aber alle vier waren besetzt. Ich rüttelte an den Türen. Doch von innen kamen murrende Stimmen. Na gut, dann noch einmal 2 Kilometer im Verhinderungsschritt. Wer das schon mitgemacht, weiß was das für Qualen sind. Aber mitten in der Stadt gibt es keine Ausweichmöglichkeiten. Endlich bei der nächsten Station fand ich mein Glück in einem blauen Häuschen. Doch nun wurde ich dort durch einen langen ununterbrochenen schwierigen Fall festgehalten. Mein Kopf sagte raus und weiterlaufen, aber das Kommando weiter unten hielt mich an Ort und Stelle fest. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich den Ort der Erleichterung wieder verlassen. Ich stürmte sofort los. Ein überholter Profi in Pink war mir ziemlich weit enteilt. Das hatte mindestens 3 Minuten gekostet. Die letzten beiden Runden liefen nicht mehr so locker wie die ersten beiden. Ich konnte meinen schönen schnellen Schritt nicht mehr halten. Auf das Isogetränk des Veranstalters hatte ich keine Lust mehr. Auch ein Red Bull konnte mich nicht rausreißen. So hielt ich mich mit Cola über Wasser. Das geht immer, macht aber nicht unbedingt schneller. Auf den letzten Kilometern machte sich dennoch ein gutes Gefühl breit. Ich spürte, dass es ein herausragendes Ergebnis werden würde. Als ich dann auf das Ziel zulief und mich mit 8:39 h an 10. Stelle in der Anzeige sah, war ich sehr zufrieden mit mir. Das war eines der besten Rennen meiner langen Karriere. Endlich hatte fast alles geklappt, worauf ich mich solange vorbereitet hatte. Das Schwimmen in 52 Minuten. Ich hatte schon fast den Glauben an mein Schwimmtraining verloren. Danke an meine Mitschwimmer beim SV Nikar Heidelberg, besonders an Benni für das Tempomachen. Auf dem Rad mit 4:47 h Stunden auf einem Kurs, der auf meinem Tacho 182 km lang war und dazu nicht gerade mein bevorzugtes Gelände darstellt. Aber ich kann nun endlich auch auf flachen Kursen über lange Zeit ein hohes Tempo fahren. Das Laufen war mit 2:56 endlich wieder deutlich unter 3 Stunden mein erklärtes Ziel. Ohne den Verlängerten Boxenstopp wäre wohl eine 2:53 am Ende gestanden. Das ist schon fast Weltklasse. Über mein Ergebnis bin sehr glücklich, deshalb habe ich auch so viel geschrieben.

Hier zu den Ergebnissen des Veranstalters mit genauen Zwischenzeiten und Zwischenständen. Da habe ich mich doch kontinuierlich nach vorn gearbeitet.
Auf der Seite Gallery gibt es Bilder zum Wettkampf.

Statt Hawaii mache ich jetzt bei der ITU Langstreckenweltmeisterschaft in Henderson / Las Vegas mit. Meine gute Form muss ich doch noch einmal unter Beweis stellen.

Hier noch die Verpflegungsaufstellung:

Frühstück:

6 Scheiben Weißbrot mit Marmelade
0,2 l Orangensaft
0,2 l Wasser

Vor dem Start:
0,2 l Sponser Iso
0,3 l Wasser
1 Sponser Gel Liquid Energy

Beim Radfahren:

0, 75 l Sponser Competition
0,75 l Sponser Long Energy
0,75 l Sponser Competition
0,75 l Iso von Veranstalter
0,2 l Iso von Veranstalter
4 Sponser Gels Liquid Energy
4 Gels vom Veranstalter

Beim Laufen:
3 Sponser Gels Liquid Energy
Bis km 20
Alle 2 km
0,1 l Iso vom Veranstalter
0,1 l Wasser
Ab km 20
Alle 2 km
0,1 l Cola


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