Dienstag, 24. Juli 2012

Deutscher Meister im Allgäu

Wieder ein Deutscher Meistertitel mehr. Diesmal beim Allgäu Triathlon in Immenstadt in der AK 40. Was aber noch besser ist, ist mein 4. Platz in der Gesamtwertung. Das war mal wieder ein überragendes Rennen. Ordentlich aus dem Wasser gekommen. Beim Rad kontrolliert. Beim Lauf aufgedreht bis zum Schluss. So muss ein Triathlon laufen.
Am Freitag fuhr ich auf überfüllten Straßen nach Immenstadt, das war schon ein Stress vor dem Wettkampf. In Immenstadt muss man die Startnummer schon am Vorabend abholen und dann wird aber trotzdem erst am Samstag eingecheckt. Ich fuhr die Wettkampfstrecke vorher noch einmal mit dem Auto ab, um die Entscheidung für das Wettkampfrad zu treffen. Zeitfahrrad oder normales Rennrad? Man hätte beides nehmen können aber der Wetterbericht sagte Regen und Temperaturen von 11 bis 16° voraus. Da fiel die Entscheidung auf das normale Rennrad, das ist bei schlechtem Wetter besser zu beherrschen.
Ich verzichtete auf die Pasta-Party und machte mir mein traditionelles Vorwettkampfessen Spaghetti Bolognese in meinem Elternhaus in Wangen. Diesmal war es aber eine vegetarische Bolognese. Die Nacht war kurz und ich schlief schlecht. Außerdem fühlte ich  mich noch immer müde vom Training in der Vorbereitung auf Embrun. Immenstadt sollte der letzte Vorbereitungswettkampf vor meinem großen Ziel Embrun sein.
Als ich dann am morgen zum Alpsee fuhr konnte ich es kaum glauben, dass es nicht regnete und sogar die Sonne sandte ein paar Strahlen durch die dichten Wolken. Der Wetterbericht hatte doch 90% Regenwahrscheinlichkeit vorausgesagt. Ich brachte mein Rad und meine Wechselsäcke in die Wechselzone und im Neopren schwamm ich mich 15 min vor dem Start ein. Das Wasser war mit 18 ° relativ warm im Gegensatz zur Luft. Kurz bevor das Rennen gestartet wurde, drängten sich viele Athleten noch an mir vorbei in die erste Reihe. Gut ich bin nicht der schnellste Schwimmer, aber die Drängler waren bestimmt langsamer als ich. Trotzdem kam ich gleich gut weg vom Start und das Schwimmen lief richtig gut. So hatte ich jedenfalls das Gefühl. Wenn man aber die Zeit anschaut ist es doch ein bisschen langsam mit 1:28 min/100. Das schwimme ich ohne Neopren locker im Becken. Entweder war die Strecke zu lang oder wir haben uns auf dem See verschwommen. Die 17. Schwimmzeit und der Abstand zu den ersten Zehn  ist aber im Rahmen. Nur der erste war mit 5 min doch weit weg. Im Alpsee ist beim Allgäutriathlon die Orientierung immer schwierig, weil es nur zwei Bojen gibt und es relativ dunkel ist. Führungskayaks gibt es auch nicht. Hauptsache das Gefühl war gut. Im Wechselzelt zog ich ein Gore-Tex Windstopper Trikot über. Die Handschuhe ließ ich im Sack, weil es ja nicht regnete. Die Armlinge hatte ich schon beim Schwimmen unter dem Neopren getragen. Ich rannte aus dem Zelt, da machte mich ein Kampfrichter darauf aufmerksam, dass ich meine Schwimmbrille und Mütze noch auf hatte. Also zurück und beides in den Sack. Es ist blöd, wenn man sich bei fast allen Triathlons am Rad umziehen darf und bei wenigen anderen nicht. Das bringt einem die ganze Wechselroutine durcheinander.
Auf dem Rad schaltete ich ersteinmal meinen Pulsmesser ein. Dieser Wettkampf sollte ein Test für die Langstrecke in Embrun sein. Also Puls unter 80% Hfmax halten und alle 20 min ein Schluck aus der Gelflasche. Es lohnt sich immer, sich am Anfang zurückzuhalten und erst später aufzudrehen. Ich fand schnell eine gute Gruppe und kam immer weiter nach vorne. Der spätere Dritte war ungefähr gleich stark wie ich. Ich verlor nur immer den Anschluss, wenn ich meine Gelflasche aus dem Trikot ziehen und wieder verstauen musste, denn es regnete stark und meine kalten Hände waren nicht mehr ganz vom Gehirn kontrollierbar. Jetzt hätte ich gerne meine Handschuhe gehabt.
Irgendwann zählte einer die Platzierung durch und wir waren auf Platz 10 bis 12. Auch der Rückstand von 5 min zur Spitze hörte sich gut an. Aber nach vorne war kein Gegner mehr in Sicht. Gegen Ende der ersten Runde fuhren wir doch noch auf Ralf Eggert auf. Der ließ sich aber nicht überholen. Jedesmal wenn ich mein Vorderrad vor ihn setzte fuhr er wieder schneller auf der rechten Seite an mir vorbei. Das ist in Hawaii Blocking. Aber in Immenstadt war weit und breit kein Kampfrichter zu sehen. Denen war es wohl auch zu kalt. Als ich später dann von der Disqualifikation von Daniel Unger gehört habe, habe ich mir gedacht: gut dass man auch vor prominenten Namen nicht halt macht, aber weiter hinten wäre eine ordnende Hand auch nicht schlecht gewesen. Also forderte ich Ralf Eggert auf schneller zu fahren, wenn er sich schon nicht überholen lassen wollte.
Am längsten Berg fiel er dann auch zurück. Dafür kam ein anderer Fahrer von hinten. Er hatte eine Kompaktkurbel und tat sich etwas leichter in den steilsten Stücken. Ich hatte 39x28 aufgelegt. Das ist auch schon ziemlich leicht. Aber im Rennen wünscht man sich immer einen kleineren Gang, auch wenn der wahrscheinlich nichts bringt, weil man am Ende ist. Man kann dann zwar mehr kurbeln aber schneller ist man dann auch nicht. Das merkte ich an einigen Stellen, an denen ich von 24 auf 28 schaltete. Bis zum Ziel sammelten wir noch einen weiteren Fahrer ein, so dass ich als sechster wechselte. Mittlerweile war ich ziemlich durchgefroren und beim Absteigen vom Rad fuhr mein Rad ohne mich weiter und ich machte einen Bauchgleiter auf dem nassen Rasen. Hier war die Absteigezone nicht genau definiert. Es gab keinen eindeutigen Balken. Auch die Anfahrt war ziemlich eng und Athleten der Olympischen Distanz versperrten den Weg. Wann gibt es endlich wieder Wettkämpfe, bei denen sich nicht tausend Athleten auf der derselben Strecke über verschiedene Distanzen und Runden quälen? Da blickt doch kein Mensch mehr durch, wer in Führung liegt und wer in welcher Runde ist auf welcher Strecke.
Eine Frau schmuggelt sich noch vor mir über die Ziellinie...

Der Wechsel zum Lauf gestaltete sich auch wieder mühsam. Meine Hände waren kalt und meine Gehirnbefehle wurden nur sehr langsam befolgt. Es war verdammt schwer den Aerohelm in die Wechselsacköffnung zu treffen. Ich war zum erstenmal froh, dass er keine Belüftungslöcher hat und ein schöner Regenhelm ist. Zum Glück hatte ich diesmal Socken gewählt, die leicht anzuziehen waren. Meine Begleiter aus der Gruppe waren alle weg bis auf den späteren dritten, der musste auch sein Trikot erst ausziehen. Doch der rannte sofort los wie ein Verrückter. Ich wollte zuerst verhalten angehen. Am Ende hatte er auch die schnellste Laufzeit. Die Laufstrecke in Immenstadt hat mehrere Wendepunkte und man kann immer den Abstand zu den Konkurrenten taxieren. Die Fahrer aus meiner Radgruppe waren nach dem missglückten Wechsel alle vor mir aber noch in Reichweite. Den ersten aus Gruppe hatte ich relativ schnell eingeholt, aber die nächsten beiden waren in der ersten Runde noch ziemlich schnell unterwegs. Ich holte auf, aber es würde schwer werden zu überholen. Einer davon war ein besserer Läufer als ich. Er war bei einem Lauf deutlich schneller als ich gewesen. Er hatte aber Sturzverletzungen und war wohl nicht mehr ganz fit. Seine Flucht nach vorne auf dem Rad hatte er teuer bezahlt. Bei mir lief es aber sehr gut. Keine Probleme mit der Verpflegung oder dem Magen. Ich hatte diesmal keinen Trinkgürtel dabei sondern eine Gelflasche in einer kleinen Tasche im Triathlonanzug. Ich nahm an jeder Verpflegungsstation eine Schluck aus der Gelflasche und dazu einen Becher Wasser. Meine Hände waren immer noch kalt und unbeweglich. Das machte auch das Herausholen und Wiederverstauen der Gelflasche sehr mühsam. Deshalb wechselte ich zwischendurch auf Cola an den Verpflegungsstellen. Jetzt kam ich dem sechsten und fünften immer näher. Mein Tempo pendelte zwischen 3:26 und 3:50 pro Kilometer je nach Streckenverlauf. Ich lief so schnell ich konnte an den beiden vorbei. Sie sollten nicht einmal daran denken, dass sie bei mir mithalten könnten. Aber die Angst war unbegründet. Keiner wagte den Versuch. Ich überholte immer wieder Läufer der Kurzdistanz. Als ich vorbei war hörte ich noch ihr Keuchen oder ihre Schritte auf dem Boden stampfen. Mehrmals bekam ich Panik, ein schnellerer käme von hinten. Aber es waren nur die, die ich gerade überholt hatte. Schon in der ersten Runde hatte ich den zweiten gesehen und darüber nachgedacht, dass der Abstand schon sehr groß wäre. Also maximal Platz drei wäre drin gewesen. Doch der spätere zweite und dritte liefen noch schneller als ich. Der zweite vom Rad und derzeit vierte wurde am Schluss richtig langsam. 1,5 km vor dem Ziel schnappte ich ihn. Diesen Platz ließ ich mir nicht mehr nehmen. Noch ein Kilometer bis ins Ziel. Jetzt noch einmal schöne Technik laufen und dann kommt keiner mehr von hinten. Wie schon auf der ganzen Strecke musste ich Slalom durch die Kurzdistanzler laufen. Die Wettkampfrichter achteten mehr auf den offenen Reißverschluss an meinem Triathlonanzug als auf eine freie Strecke oder Windschattenfahren. In gewisser Weise hat Daniel Unger doch Recht.
Da hilft nur noch die Backen aufblasen.

Am Ende kam ich als Vierter ins Ziel. Das interessierte aber schon niemanden mehr. Ein vierter Platz an der Deutschen Meisterschaft auf der Mitteldistanz, wenn mir einer das vor zehn oder fünfzehn Jahren gesagt hätte, hätte ich das für nicht möglich gehalten. Erträumt habe ich mir das immer, aber dass ich das mit 44 erreiche, hätte ich nie gedacht. Man muss aber dazu sagen, dass die Konkurrenz nicht mehr so stark ist wie früher. Es gibt immer mehr Wettkämpfe der ironman und Challenge Serie, die wesentlich mehr Preisgeld und dadurch höhere Klasse bieten. Die Deutsche Meisterschaft hat an Bedeutung verloren. Selbst die ironman Wettkämpfe sind nicht mehr so stark besetzt wie früher. Es verteilt sich viel mehr. Früher gab es Nizza oder Roth und Hawaii dort traf sich alles. Der Allgäu Triathlon war ein Highlight und einer der Wettkämpfe mit der besten Besetzung in Deutschland. Heute hat nur noch Hawaii seinen Status behalten.
Für mich persönlich war es eine sehr gute Wettkampfleistung.
Schwimmen so lala, gutes Gefühl, Abstand zu den ersten 10 ok, Abstand zum ersten zu viel, Tempo zu langsam.
Radfahren kontrolliert, nach Plan, Ernährung mit Sponser Gel und Competition genau richtig. Das Felt AR1 mit Jet 6 schnell in den Abfahrten und bergauf. Auf den richtigen steilen Abfahrten war ich sogar schneller als die Zeitfahrräder, weil ich die Hände eng neben den Vorbau legen konnte und dadurch eine noch aerodynamischere Abfahrtshaltung einnehmen konnte. Auf den ebenen Stücken konnte ich dosiert mithalten. Kein spürbarer Nachteil.
Das Laufen lief optimal. Ich wollte 3:40 pro Kilometer laufen und genau das habe ich gemacht. In der zweiten Runde wurden die Kilometerschnitte nur ein wenig langsamer. Die Ernährung mit Sponser Gel und Cola passte auch genau. Ich hatte nie das Gefühl, dass etwas fehlt oder Probleme.
Embrun kann kommen.
www.allgaeu-triathlon.de
http://www.tri2b.com/68-allgaeu-triathlon-boris-stein-und-bianca-steurer-siegen-beim-jubilaeum.html

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