Donnerstag, 5. Juni 2014

Zurück zur Natur und 1. Veteran beim TRIATHLON INTERNATIONAL D’OBERNAI

1. Veteran beim TRIATHLON INTERNATIONAL D’OBERNAI

4. Platz Gesamtwertung über die Mitteldistanz in Frankreich

So, jetzt zähle ich schon zu den Veteranen, wenn es nach dem französischen Sprachgebrauch für ältere Sportler geht. Mir war das Wort eher für alte Soldaten aus dem 2. Weltkrieg oder Oldtimer Schlepper geläufig. Trotzdem läuft der alte Traktor noch bis auf Platz 4 im Gesamtklassement bei der Mitteldistanz im französischen Obernai. Mit meinem Rennen ist mir mal wieder ein sehr guter Wettkampf gelungen. Genau richtig an der Grenze zwischen Anstrengung und Spaß. So sollte doch jeder Wettkampf sein. Nicht zu hart, aber am Ende sollte man das Gefühl haben, dass es schneller nicht mehr gegangen wäre.Schon auf der Hinfahrt hatte ich das Gefühl, dass mein Pulsmessergurt mich heute einengt. Also legte ich ihn vor dem Start ab. Wenn ich keinen Puls unterwegs messen kann, dann kann ich auch meine Uhr weglassen. Am neuen Rad habe ich auch keinen Tacho mehr sondern der Tacho ist in der Polar Pulsuhr drin. Damit ging ich ganz ohne technische Kontrolle ins Rennen. Und ich habe es genossen. Endlich mal wieder nur nach eigenem Gefühl die Renneinteilung steuern, das habe ich schon länger nicht mehr gemacht. Dieses Mal hat das ausgezeichnet funktioniert.Wie fair dieses Rennen ist, zeigte sich schon am Start, als einige Teilnehmer einen Pfiff für das Startsignal hielten und einfach losschwammen. Doch die anderen blieben einfach stehen und die Frühstarter kamen zurück, und der Start ging dann korrekt über die Bühne. So etwas geht aber nur bei einem Landstart. In Deutschland wäre wohl jeder weiter geschwommen und hätte sich dann über den Frühstart beschwert. Nur ein Gedanke: warum machen wir in Deutschland eigentlich immer nur Wasserstart? Da schwimmt dann jeder schon vor dem Startschuss immer weiter vor die Startlinie und versucht sich so einen Vorteil zu verschaffen. Auch faire Sportler werden dann gezwungen durch die von hinten drückenden immer mehr aufzurücken. Ein Landstart dagegen ist eindeutig. Die Wasserlinie ist die Startlinie. Keiner kann vorgehen.Schon beim Schwimmen fühlte ich mich richtig gut. Ich konnte sogar zwischendurch Sprints einlegen um vor mir liegende Schwimmer aufzuschwimmen. Das ist mir sonst noch nie so gelungen. Das Schwimmen ist 2,1 km lang und hat 2 Landgänge. Nach jedem Landgang orientierte ich mich nach vorne und jedesmal konnte ich den Schwimmer der etwa 10 - 15 m vor mir war auf den nächsten 200 m aufschwimmen. So arbeitete ich mich nach meinem gewohnt schlechten Start bis auf den 12. Platz nach dem Schwimmen nach vorn.
Einmal auf dem Rad arbeitete ich weiter nach vorne aber auch von hinten kamen einige Fahrer. Die ersten Kilometer sind flach. Da sollte sich mein neues Tribike auszahlen, vor allem gegen die zahlreich auf normalen Rennrädern angetretenen Franzosen. So einfach war das aber gar nicht. Am Anfang sind alle noch frisch und halten dagegen, wenn sie überholt werden. Also Taktik umstellen und hinterher fahren bis sich die anderen ermüdet haben. So ging das dann bis an den Fuß der Berge. Gleich am ersten steilen Berg kam der spätere Zweite von hinten und überholte mich. Ich versuchte an ihm dran zu bleiben aber auch ohne Pulsmesser merkte ich sofort, dass das in eine Quälerei ausarten würde. Die Oberschenkel signalisierten genau so gut wie ein Piepser aus dem Pulsmesser: die Intensität ist zu hoch. Ich trank auch nicht nach Plan oder Intervall Piepser sondern nur, wenn ich Durst hatte und auch das funktionierte hervorragend. So ungefähr eine Liter habe ich getrunken. Dazu hatte ich drei Sponser Gels in einer Radflasche leicht verdünnt mit Wasser. Auch davon nahm ich nur nach Gefühl etwa 1 1/2 Gels. Das hat offensichtlich gereicht.
Nach dem ersten längeren Anstieg war auch klar warum viele das Rennrad gewählt hatten. Diese Strecke  bestand außer den ersten 15 km nur aus langen Anstiegen und langen Abfahrten in den Vogesen.Die erste Hälfte hielt ich mich schön zurück und folgte einem Fahrer in korrektem Abstand. Eigentlich war er mir zu langsam. Aber ich fühlte mich auf den langen Abfahrten sicherer, wenn ich ihm folgen konnte und die Richtung durch ihn vorgeben wurde. Außerdem ist es die beste Renneinteilung, wenn man die erste Hälfte der Radstrecke immer das Gefühl hat, man wäre zu langsam. Schneller kann man immer noch am Schluss machen oder beim Laufen. Irgendjemand sagte mir "Septieme". Ich dachte sieben Minuten Rückstand. OK. Auch nicht schlecht.
So ging es über fast 45 km meist nur bergauf mit kleinen Zwischenabfahrten. Eine wunderschöne Strecke bis auf 1100 m Höhe. Nach dem Champ de Feu ließ ich dann mein Zugpferd hinter mir und ließ es nun auf den flachen und steilen Abfahrten so richtig Krachen. Am Schluss der Radstrecke konnte ich dann noch zwei Belgier überholen und ich fühlte mich noch richtig frisch. Kein Wunder es waren ja auch fast 30 km Abfahrt. Damit war ich dann fünfter. Super! Vor mir war aber niemand mehr zu sehen.
Beim Wechsel zum Laufen ließ ich mir etwas mehr Zeit, so dass die Belgier wieder an mir vorbei gingen. Aber ich wollte korrekt wechseln und die Socken zum Laufen sauber anziehen, dass keine Falten entstehen. Das stört sonst 20 km lang, kostet dagegen nur 10 Sekunden mehr.
Einmal auf der Laufstrecke ging es zuerst einen Kilometer auf unebenem Pflaster in Frankreich Pavee (Paris-Roubaix) genannt bis zum ersten Anstieg. Dort hatte ich die beiden Belgier wieder eingeholt. Ich überholte sie aber erst in der Bergabpassage. Das war einfacher als ein Kampf auf Biegen und Brechen im Anstieg. Danach merkte ich auch, dass heute so richtig was geht. Meine Beine machten richtig gut mit. Immer schön auf Frequenz laufen. Bald hatte ich den Vierten im Blickfeld. Ein schwächerer Läufer. Er ließ sich kampflos überholen. Die Laufstrecke war gar nicht so einfach mit Pflaster, lockerem Feldwegschotter und zwei ordentlichen Anstiegen. Ich fühlte mich aber immer richtig gut. Auch meine Verpflegung klappte hervorragend. In jeder Runde (3 x 6,5 km) nahm ich ein Sponser Gel zu mir. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, es fehlt mir was.
Auf dem vierten Platz lief ich so die beiden letzten Runden immer taxierend, ob nach vorne noch was geht. Aber durch den immer stärker werdenden Verkehr auf der Strecke war es unmöglich auszumachen, wo der dritte sich befand. Den ersten und zweiten konnte ich auf den Wendepunktstreckenabschnitten sehen, aber auf die holte ich nichts auf. Ich blieb konstant oder sie liefen ein paar Meter davon. Von hinten drückten Läufer nach aber immer in weiterem Abstand, auf sie vergrößerte ich meinen Abstand eher.So lief ich dann locker mein Tempo über die Runden.

Beim Blick auf die Ergebnisliste zeigt sich auch, dass ich über die drei Runden kaum abgebaut habe, und die letzte Runde fast gleich schnell war wie die zweite.
Alles geht also auch ohne Technik und nur nach Gefühl sehr gut. Hoffentlich funktioniert das auch in Frankfurt so gut. Dort wird es ein bisschen dichter mit der Konkurrenz,
und ich hoffe ich kann mich genausogut auf mich selbst konzentrieren wie in der Einsamkeit der Vogesen.

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