Mittwoch, 9. Juli 2014

IRONMAN EUROPEAN CHAMPIONSHIP FRANKFURT

Bis km 20 im Marathon super stark

Das Positive zuerst. Ich war mal wieder richtig dran am Geschehen. Beim Schwimmen bin ich locker mitgeschwommen. Beim Radfahren habe ich mich kontinuierlich nach vorne geschraubt und die ersten 20 km beim Marathon waren easy. Soweit so gut. Die letzten 20 km auf dem Marathon haben mir mein Ergebnis ein bisschen verhagelt.
Das Schwimmen musste ich bewusst locker gestalten, weil meine Waden irgendwie in  den letzten Wochen immer mehr nervöse Zuckungen von sich gegeben haben. Wahrscheinlich habe ich sie mal wieder überlastet. Also musste ich um jeden Preis Wadenkrämpfe beim Schwimmen vermeiden. Der Preis war praktisch kein Beinschlag und Trainingstempo. Zum Glück ist mein Trainingstempo zur Zeit so hoch, dass immer noch eine 55er Zeit rauskommt. Insgeheim hatte ich mit einer Zeit von 52 min gerechnet. Unter diesen Umständen war das nicht mehr möglich. Mein Ziel war zwischen 56 und 52 min. Das Schwimmen war auch vom Verkehrsaufkommen in meiner Region sehr entspannt. Kein Geprügel und Gerangel. Die erste Startgruppe mit 400 Athleten hat sich bewährt.
Einmal auf dem Rad fühlte ich mich richtig gut und so ging es dann zuerst die flachen Abschnitte nach und durch Frankfurt. Ich ließ viele Radfahrer hinter mir. Überholen ließ ich mich auch ohne große Gegenwehr. Am Anfang hat jeder noch Kraft. Spätestens am ersten Berg sortiert sich das Feld. Nur ein gewisser Ex-Doper schoss mit einer großen Geschwindigkeitsdifferenz an mir vorbei. Alle anderen blieben immer in Reichweite. So ließ ich mich über die erste Runde treiben. Wir sammelten immer mehr Profi Frauen ein. Es ist schon ein Jammer, dass es immer wieder Kollegen gibt, die das Rennen der Profifrauen beeinflussen. Die Machos verkraften es einfach nicht, dass sie von Frauen überholt werden. Sofort setzen sie sich dann wieder vor die Frauen. Das nervt mich schon beim Zuschauen. Stellt euch vor ihr habt gerade einen langsameren Typ überholt und der überholt euch sofort wieder und setzt sein Rad genau wieder vor eures. Ihr müsst euch wohl oder übel wieder zurückfallen lassen und wieder überholen. Das passiert den Frauen ständig. Ich ließ mich auf solche Spielchen nicht ein. Wenn ich die Gruppe nicht überholen kann, fahre ich in korrektem Abstand hinterher und warte bis einer ein Lücke lässt. Dann überhole ich. Nur wenn ich genau weiß, dass die anderen alle langsamer sind, wie am Hühnerberg oder in Bad Vilbel, gehe ich am Berg ganz nach vorne. Doch das machte ich diesmal erst in der zweiten Runde. Da kann man dann den Abstand herstellen. Das Radfahren lief wirklich phänomenal. 
Am meisten Spaß machte das Kopfsteinpflaster. Dort zog ich locker an allen vorbei. Die Di2 Shifter am Lenker sind einfach genial. Wenn es zu hart wird kann man bei voller Last auf Kopfsteinpflaster einfach Hochschalten. Das neue Canyon ist bretthart und viel steifer als mein altes Felt. Zuerst denkt man das wäre ein Nachteil auf Kopfsteinpflaster. Tatsächlich ist es aber ein Vorteil, weil es viel ruhiger über die Unebenheiten wegbügelt.  Auf der Rüttelpiste verlor ich meine Trinkflasche mit Sponser Competition. Also nahm ich gleich eine Flasche Wasser danach auf. Diese wollte ich dann an der nächsten Verpflegung gegen ein Isogetränk des Veranstalters wechseln. Doch was mache ich? Ich werfe meine mit 6 Sponser Gels gefüllte Flasche weg und greife eine Flasche Iso. Äh?!! So war das nicht geplant. So jetzt habe ich Wasser und Iso, aber keine Gels mehr.  Für solche Fälle braucht man immer einen Plan B. Ich musste also von nun an die Gels des Veranstalters nehmen. Zum Glück hatte ich mit denen schon bei langen Trainings Erfahrungen gesammelt und war daher auf den gewöhnungsbedürftigen Geschmack vorbereitet. Und siehe da: Plan B funktionierte perfekt. Bei jeder Verpflegung ein Gel, dazu Wasser und Iso nach Lust und Laune. Bei km 150 fühlte ich mich noch stark wie bei meinen besten Rennen. Ich ließ eine große Gruppe einfach stehen und überholte den späteren Zehntplatzierten. Der spanische Profi war mir bei den leichten Anstiegen einfach zu langsam. Bei den Bergabpassagen im Gegenwind kam er dann aber wieder. Ich ließ im also den Vortritt. Er ist ja der Profi. So rollte ich richtig motiviert nach Frankfurt zum 2. Wechsel. 
Während des gesamten Radfahrens hatte ich nur 2 Fahrer ziehen lassen müssen. Einer davon war der Ex-Doper. Das war wie früher in Roth bei meiner Bestzeit oder in Kopenhagen.
Zuversichtlich startete ich den Marathon. Erst mal ganz easy loslaufen und dann die letzten 12 km richtig auf Wettkampf machen. Das war mein Plan. Der spanische Profi und ein anderer Age-Grouper zogen schnell davon. Aber das kümmerte mich nicht. Das Rennen ist noch lang und wie gesagt die letzten 12 km sind entscheidend. An den Wendepunkten konnte ich die führende Frau sehen. Ich holte zwar nicht besonders auf aber auch die anderen schnellen Frauen holten auf mich nicht auf. Da die schnellsten Frauen immer um die 3 Stunden laufen, war das Tempo genau richtig. Ich hatte wie in Obernai keine Uhr und keinen Pulsmesser an. Nur nach Gefühl und Spaß wollte ich laufen. So ging das bis km 20 richtig gut. Ich nahm Gel und Wasser auf und fühlte mich gut. Doch dann signalisierte mir mein Magen, dass es genug war mit dem Gel. Es ging nichts mehr rein. Vier Gels a 70 g sollten genügen für einen Marathon für mich mit 62 kg. Ich wartete vergeblich auf meine zweite Luft. Ich fühlte mich so richtig machtlos. Es ging nichts mehr. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es diesmal ein Energiedefizit war. Diesmal war ich einfach nur erschöpft. Ich hatte auch keine Krämpfe, was ich befürchtet hatte, nachdem meine Waden schon die ganze Woche vorher zuckten. So kam von hinten die spätere Siegerin Corinne Abraham und nach und nach auch meine AK Kollegen. Ich hatte überhaupt keine Kraft mehr irgendjemand zu folgen. Ab km 25 musste ich auf Survival Mode umschalten. Das war bitter. Offensichtlich ging es Frodo ähnlich. Ich konnte ihn sogar in einer Verpflegungsstation wieder überholen, obwohl ich schon in der langsamsten shuffle Gangart war. Nur Frodo konnte nach der Station wieder schneller laufen. Das klappte bei mir nicht mehr.
Fazit: Mit dem Ergebnis kann ich trotzdem zufrieden sein. Schwimmen locker und schnell. Radfahren genial wie zu meinen besten Zeiten. Schlecht gelaufen und dennoch 6. in der Alterklasse. Für Hawaii hätte ich mich locker qualifiziert. Aber nach dem Lauf hatte ich für mich entschieden, dass ich mich dieses Jahr nicht mehr über einen Ironman quälen will. Die letzten 20 km haben keinen Spaß mehr gemacht. Gegenüber den letzten drei vorherigen Ironmanwettkämpfen, war das schon ein großer Fortschritt. Jetzt schaffe ich es schon bis km 20 beim Marathon ordentlich. Beim nächsten klappt's vielleicht mal wieder bis zum Schluß.
So jetzt gebe ich meinem Körper die notwendige Regeneration. Das ist vielleicht, das einzige was ich in meiner Vorbereitung dieses mal falsch gemacht habe. Dieses Mal wollte ich unbedingt mehr Radfahren und laufen als letztes Jahr, wo ich den Minimalansatz gefahren bin. Irgendwo zwischen den beiden Polen liegt wohl die goldene Mitte.

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