Donnerstag, 10. September 2015

Vom Bodensee zum ersten Schnee

Transvorarlberg Triathlon

Endlich wieder ein Sieg

Am Wochenende konnte ich endlich nach langer Pause wieder einen Sieg in meiner Alterklasse beim Transvorarlberg Triathlon einfahren.
Der Transvorarlberg Triathlon ist eine feine extrem harte Mitteldistanz quer durch das österreichische Bundesland Vorarlberg. Geschwommen wird vor der Kulisse der Seebühne in Bregenz 1,2 km.
Seebühne Bregenz Turandot

Danach wird von Bregenz über den Hochtannbergpass bis Lech 94 km geradelt.

erster Schnee
Hochtannbergpass
In Lech folgt noch ein 12 km langer Geländelauf über wechselnden Untergrund auf Singletrails, Pflaster, Asphalt und Almwiesen. Also genau das richtige für mich.
Nach dem letzten Wettkampf bei der LBS Liga in Schömberg hatte ich große Probleme mit meinen Waden und Achillessehnen, so dass weitere Wettkämpfe zunächst einmal nicht möglich waren. Ich versuchte mich über Schwimmen und Radfahren fit zu halten. Doch als Triathlet ist das nicht befriedigend. Außerdem hatte ich auch bei diesen Sportarten leichte Schmerzen, so dass ich dann eine komplette Sportpause einlegte und erst einmal mit meiner Familie einen Urlaub in England verbrachte. 
Ich ließ den Heidelbergman und den Breisgau Triathlon ausfallen und startete eine einfache 4 wöchige Vorbereitung auf den Transvorarlberg Triathlon.
Trainingszeit 4-wöchige Vorbereitung auf den Transvorarlberg Triathlon

Nun aber zum Wettkampf selbst.
Der Transvorarlberg fand am Samstag 5. September statt. Also musste ich schon am Freitag in meine weitere alte Heimat anreisen. Das schöne am Transvorarlberg ist auch, dass ich die Radstrecke schon von früher kenne. Teilweise bin ich die Strecke zwei Wochen vorher noch abgefahren. Die ganze Strecke anzuschauen wäre zuviel geworden. Irgendwie muss man ja von Lech wieder zurück kommen nach Wangen.
Das Schwimmen im Bodensee mit 20 °C war am Wettkampftag noch der wärmste Ort. Die Luft in Bregenz hatte 14 ° C. Leichter Nieselregen machte die Strassen nass.
Beim Schwimmen hatte ich eine gute Startposition und ich bewegte mich relativ weit vorne.
Gegen Mitte konnte ich das Tempo nicht mehr ganz halten. Meine Schwimmform war nach dem nur 4 wöchigem Training ok aber nicht auf dem höchsten Stand. Mein ganzes Schwimmtraining führte ich allein durch. Da fehlten die harten Intervalle gegen andere Mitschwimmer. Trotzdem kam ich als 22. aus dem Wasser.  Ich denke dass ich bereits mehrere Athleten in der Wechselzone überholte,
In der Wechselzone durch die Seebühne. Ich habe bereits alles an, weil es viel schneller ist. Bei Nässe bekommt man neue Klamotten nur ganz schwer angezogen. Sie werden bei Regen früher oder später doch nass.
da ich nichts zusätzlich anzog sondern nur ein Gore-Tex Regentrikot und Handschuhe in die Rückentaschen steckte.
Für den Radpart musste ich diesmal auf mein normales Rennrad anstatt mein Triathlonrad zurückgreifen, da bei meiner Zeitfahrmaschine eine Feder in der Vorderradbremse gebrochen war, die von Canyon nicht lieferbar war. Ein Nachteil bei integrierten Bremsen. Aber ich denke auf der Strecke des Transvorarlberg ist ein normales Rennrad kein großer Nachteil, obwohl vor mir wohl alle mit einem Triathlonrad unterwegs waren.
Gleich nach dem Start in Bregenz folgt der lange Anstieg nach Langen. Ich hatte mir vorgenommen auf der Radstrecke immer schön unter 80 % der maximalen Herzfrequenz zu bleiben. Bei den letzten Wettkämpfen hatte ich mich immer beim Radfahren zu stark verausgabt, so dass ich gegen Ende und beim Laufen nicht mehr zulegen konnte. Das sollte mir diesmal nicht passieren. Ich fuhr also immer schön kontrolliert. Dabei wurde ich dann immer öfter überholt. Ich musste mich schon ganz bewusst zurückhalten um den Konkurrenten nicht zu folgen. Aber die Abrechnung wird erst zum Schluß gemacht. Ich erinnerte ich immer wieder an Mark Allen, der seine Gegner beim Nizza Triathlon oder auf Hawaii auch immer auf der Radstrecke weit enteilen ließ um sie dann beim Laufen wieder einzusammeln. So ganz einfach wie bei Mark Allen würde das heute nicht werden, da 12 km Laufen im Vergleich zu 94 km Radfahren doch recht kurz sind um alles wieder aufzuholen. Doch zu Beginn war das erst mal die richtige Taktik. Ich wurde also überholt. Meinerseits konnte ich aber auch ein paar überholen, wenngleich auch etwas zäher als ich von anderen überholt wurde.
So ging es dann über die Berge des Bregenzerwaldes dahin auf und ab bis ich in Alberschwende so richtig kalte Hände bekam und plötzlich nicht mehr schalten konnte. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen meine Handschuhe anzuziehen. Das war leichter gesagt als getan, weil meine Hände schon so durchgefroren waren, dass ich die Handschuhe nicht über die Hände ziehen konnte. Ich fuhr ziemlich wackelig und zitternd freihändig bergauf und versuchte die Handschuhe mit den Zähnen nach oben zu ziehen. Dies gelang mir für die rechte Hand noch ganz ordentlich. Bei der linken Hand konnte ich die Handschuhe nur grob überstülpen. Die Finger gingen einfach nicht in die dafür vorgesehenen Löcher. So fuhr ich dann von Andelsbuch bis Egg mit verwurschtelten Fingerhandschuhen. Erst Richtung Mellau kam wieder etwas Wärme in meine Hände zurück, so dass ich auf der großen Strasse Richting Schoppernau noch die erste Frau überholen konnte, die ich schon lange in Sicht hatte aber wegen der Handschuhgeschichte überhaupt nicht näher kam. Mit der Wärme in den Händen war mir sofort auch überall sonst viel wärmer. In den Radflaschen hatte ich heute 0,75 l Sponser Competition und 3x70 g Gels in einer 0,5 l Flasche mit Wasser aufgefüllt. Da es aber so kalt war brauchte ich für die 94 km nur etwa 0,5 l Competition und nur etwa 300 ml der Gel Mischung. 
Zwischenzeitlich begegnete ich zwei Kuhherden beim Alpabtrieb. Bei der ersten musste ich anhalten und die Kühe an mir vorbei auf der Straße weiterleiten. Bei der zweiten in Au hielten mich die Autos vor mir auf. Wahrscheinlich mussten die anderen Athleten auch an denen vorbei. Das kann man bei einem Wettkampf auch mal verkraften. Das ist allemal besser als die neutralisierte Zone die zuerst vorgesehen war.
Als dann die Steigung zum Hochtannbergpass begann, hielt ich mich nicht mehr an die Pulsvorgabe von unter 80 % und fuhr einfach so gut es ging den Berg hoch. Dabei holte ich wieder 4 Konkurrenten ein, die mich zuvor überholt hatten. Jetzt machte sich die zurückhaltende Fahrweise von vorher bezahlt.
Schöne Pulskurve - Der Puls steigt zum Ende immer mehr an nur in der Abfahrt vom Hochtannbergpass fällt der Puls. Am Anfang immer im grünen Bereich. Die Höhe ist nicht kalibriert auf Bregenz. Der Hochtannbergpass ist 1660 m hoch. Der hintere Teil gehört nicht mehr zum Wettkampf. Ich habe vergessen den Stop Knopf zu drücken.
Am Hochtannbergpass endlich mit Handschuhen. Aerohelm eher als Regen-und Kälteschutz und warme Neoprenbooties über den Schuhen. Heute mit dem normalen Rennrad unterwegs.
Der Berg ist so steil, da kann man nicht mit angezogener Handbremse hochfahren. Auf der Passhöhe schnappte ich mir einen weiteren Fahrer während ich mir mein warmes Gore-Tex Trikot überzog. Auf der Abfahrt nach Warth kam der zuletzt Überholte wieder zurück, weil er mehr riskierte. Bei der Kälte verzichtete ich auf das Sitzen auf der Stange a la Kienle oder Sagan. Dafür war ich zu zittrig und durchgefroren.
In Lech kam ich als 15. an. Einen überholte ich gleich in der Wechselzone. Das Laufen begann sofort mit einem Hammerberg. Ich schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen.
Kurz nach dem steilen Anstieg
Von hinten kamen ein paar Staffelläufer, bei denen es nicht einfach war dran zu bleiben. Deshalb ließ ich es lieber gleich bleiben. An der Wende der ersten Runde konnte ich einen Läufer sehen, der knapp vor mir war aber auch einige knapp hinter mir. Der Lauf war schön aber hart über Wiesen und kleine Wege, Straßen und Pflastersteine in und um Lech. Auch wurde es mir jetzt fast zu warm mit meinen drei Schichten Klamotten und Kompressionswadenwärmern. Auf der zweiten Runde hatte ich keinen Überblick mehr, weil immer mehr Staffeln und andere Athleten auf der Strecke waren. Mir ging es noch sehr gut und ich konnte zwar niemanden mehr vor mir überholen, aber von hinten kam auch keiner näher. So lief ich dann als 14. insgesamt über die Ziellinie. Mit der 8. besten Laufzeit war ich voll zufrieden.



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