Donnerstag, 8. Oktober 2015

Krabbeln oder Laufen

7. Platz beim Gelita Trail Marathon Heidelberg

1. Platz in der Altersklasse M45

Am letzten Sonntag habe ich mal wieder einen Marathon absolviert. Keinen normalen sondern den Trail Marathon in Heidelberg. Es lief auch sehr gut mit dem 7. Platz in der Gesamtwertung. Aber es war schon verdammt hart.
Dieses Jahr habe ich ja keine Ironman Distanz gemacht und zum Ironman nach Hawaii wollte ich dieses Jahr auch nicht, obwohl ich mir beim Ironman 70.3 im Kraichgau die Qualifikation gesichert hätte. Deshalb musste ich mir eine neue Herausforderung für das Saisonende suchen. Zur Auswahl standen der Marathon in Frankfurt oder eben der Trail Marathon in Heidelberg. Meine Wahl fiel auf das lokale Rennen, weil die Strecke schöner ist und ich auch mal wieder in der Gegend starten wollte, wenn es schon so tolle Wettkämpfe in der Nähe gibt.
Im Sommer hatte ich ja Probleme mit der Achillessehne, so dass ich von Juni bis  August nicht richtig laufen konnte. Dann wurde  mir das ganze aber zu bunt und ich bereitete mich in 4 Wochen für den Trans Vorarlberg Triathlon vor. Danach sollte eine 4 wöchige Vorbereitung auf den Trail Marathon folgen, wenn die Achillessehne mitmacht. Dummerweise waren die Schmerzen nicht ganz verschwunden. Aber solange der Laufstil nicht beeinträchtigt ist, kann man weitertrainieren. Das ist eine alte Weisheit von Marathon Olympiasieger Gelindo Bordin. Ich zog also meine Vorbereitung unbeeindruckt durch. Das erstaunliche dabei ist, dass jetzt nach dem Marathon die Verletzung plötzlich verschwunden ist.
So stand ich dann am Start im Garten des Heidelberger Schlosses bei strömendem Regen. Mit Armlingen gegen die Kälte das sollte reichen. Ich laufe viel lieber im Singlet und mit richtig altmodischen kurzen Hosen meine Rennen. Die neumodischen Surfer Schlapphosen Design Laufhosen sind was für den Strand aber nichts mit dem man schnell Laufen kann. Nur leider sterben die kurzen Split Shorts langsam aus. Am Start stellte ich mich ganz vorne hinter meinen Trainingskollegen, die nur die Staffel laufen wollten auf. Natürlich lief ich keinen Meter in ihrem Tempo. Vom Schloss ging es erstmal ordentlich bergab und bis zur Alten Brücke über Pflaster. Auf der Neuenheimer Seite ging es zum Philosophenweg und in Richtung Thingstätte hoch. Bis km 10 hielt ich mich vornehm zurück. Danach wollte ich so langsam aber kontrolliert das Tempo steigern. Da kam auch schon von hinten Matthias Müller, der spätere Sieger. Und schon warf ich meine guten Tempovorsätze über Bord und folgte ihm. Es hat wirklich viel Spaß gemacht hinter ihm über die Trails zu fliegen. So richtig schön im Flow. So waren wir dann am Weißen Stein und bei der Halbmarathonmarke auf Platz 2 und 3.
Der Rückstand auf den ersten zu diesem Zeitpunkt Kim Abel schmolz von 10 auf 5 Minuten. Matthias hatte sogar einen kleinen Rucksack dabei. Den sah ich immer von hinten am Rücken baumeln. Einen Rucksack wollte ich mir nicht antun. Trotzdem hätte ich ein oder zwei Gels gerne zu Hand gehabt, weil es unterwegs am Anfang keine an den Verpflegungsstellen gab. Doch dann meldete sich mein Pulsmesser immer vehementer. Hinter Matthias herzulaufen, da hatte ich meine Fähigkeiten doch etwas überschätzt. So beschloss ich ab der Halbmarathonmarke es nach Schlierbach hinunterrollen zu lassen und nicht mehr Matthias zu folgen. Leider rollt es zu Fuß nicht so einfach wie mit dem Rad. Die Abfahrt hinunter nach Schlierbach zog sich wie Kaugummi. So langsam machte sich auch meine Muskulatur bemerkbar.
Das beste am Trailmarathon waren doch die Bergabstrecken über Stock und Stein. Ich fühlte mich an meine Jugend erinnert, als wir auf den Wanderwegen in den Allgäuer Alpen auch bergab immer Vollgas gegeben haben ohne Rücksicht auf Verluste. Im Training mache ich auch Tempoläufe bergab, wie es gerade kommt.  In Schlierbach an der Verpflegung hätte ich mir gerne eine Pause gegönnt aber es gab wieder kein Gel. Also hinauf in Richtung Königstuhl. Ab jetzt wurde es richtig zäh für mich. Meine Tempoeinteilung war völlig in die Hosen gegangen. Eigentlich wollte ich ab km 32 so richtig aufdrehen. Doch ich kämpfte wie ein angeknockter Boxer. So ging es auch mit der Platzierung wieder in Richtung hinten. An der Himmelsleiter kam ich kaum auf die erste Treppenstufe hoch. So langsam überlegte ich mir wie ich da bloß hochkommen soll. Gehen oder Krabbeln. So richtig hochrennen oder Schrittsprünge so wie das im Training an der Himmelsleiter  in Nußloch so gut funktioniert hatte und so wie ich mir das in meinen Visualisierungen so schön ausgemalt hatte, das war nur eine weit entfernte Illusion.
Am Königstuhl oben angekommen gab es endlich das lang ersehnte Gel. Ich schob mir gleich 2 in die Backen. So gut hat mir ein Gel noch nie geschmeckt. Die neue Energie war auch dringend notwendig, denn nun folgte das gefährlichste Bergabstück. Auf den großen und scharfkantigen Steinen auf dem folgenden Abschnitt blieb ich an einem Stein hängen. Das riss mich abrupt aus meiner Agonie. Ich konnte einen Sturz gerade noch verhindern. Jetzt wieder volle Konzentration! Ein paar richtige Trailschuhe wären jetzt auch nicht schlecht. Die Asics Gel-DS Trainer waren bis dahin zwar super gut aber so langsam spürte ich die gemeinen spitzen Steinchen bei jedem Tritt.
Und der Veranstalter hatte auch auf dem Weg vom Königstuhl hinunter immer wieder Bergaufpassagen eingebaut, auf denen war mein Schritt so richtig lahm. Von hinten kam dann auch wieder ein Läufer und überholte mich. So war ich dann wieder kurz vor dem Ziel genau auf dem Platz, den ich hatte bevor ich mit Mathias Müller mitgezogen bin. Das hätte ich auch einfacher haben können. Na ja aber der Flow war es wert. Vielleicht wäre mit besserer Renneinteilung noch mehr drin gewesen. Mit mir gehen aber immer während des Rennens die Pferde durch, ein Rennen ist ein Rennen und Rennen sind auch Kampf. So langsam muss ich mich doch daran gewöhnen, das ich nicht mehr mit jedem mitrennen sollte, selbst wenn es im Moment auch ginge.
Endlich kam das Schloss wieder in Sicht und zum Glück keiner mehr von hinten.
Das Experiment Trailmarathon  war noch einmal gut ausgegangen. Mathias Müller hat mir von der Hälfte weg noch 17 Minuten abgenommen. Doch der Rest war gar nicht so weit weg. Für den ersten Versuch war das doch ganz gut. 
Zwischendurch habe ich mal gedacht, warum bist du nicht nach Frankfurt gegangen, dann wäre das ganze viel schneller vorbei. Aber der Trailmarathon hat doch die viel schönere Strecke und ich wäre gar nicht in den Genuss der langen Läufe im Training Richtung Königstuhl über alle Trails gekommen.
Jetzt mache ich erst mal Pause. Doch Laufen ist im Gegensatz zu Triathlon so herrlich simpel. Raus und trainieren ohne große Technik,das ist überall und bei jedem Wetter möglich.
Vielleicht mache ich auch mal wieder einen schnellen Zehner um zu sehen, was da noch geht.
Nächstes Jahr starte ich wieder beim Ironman in Frankfurt. Ich freue mich schon auf die lange Vorbereitung. Wenn ich dann so richtig gut in Form bin und eine Chance auf die ersten drei in Hawaii besteht, dann fahre ich auch wieder da hin. 

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