Montag, 2. Mai 2016

Heidelberger Halbmarathon - a long game of poker

Sieg in der Alterklasse M45.

Ein Wettkampf ist oft wie ein langes Pokerspiel. Wie ein Pokerspiel so habe ich den Heidelberger Halbmarathon gestaltet. Am Start bin ich mitgegangen, aber in meinem Alter hat man nicht mehr die besten Karten. Ich musste die Partie zurückhaltend gestalten. Trotzdem habe ich auf den ersten 2 Kilometern gleich die Spitze im Auge behalten.

Die Schnellsten sind gleich richtig abgegangen. Da war kein Taktieren in der Gruppe. Für mich war das eindeutig zu schnell. Also orientierte ich mich dann in der Verfolgergruppe immer schön am Schluss, wie bei einem guten Radrennen. Die zweite Gruppe war nicht so groß. Ich  konnte immer den Überblick behalten. Zeitweise ging einer vorne aus der Gruppe raus um im Niemandsland zwischen Spitze und Verfolgern langsam zu verhungern. Ich blieb schön am Ende der Verfolgergruppe.

Wir liefen die flachen Kilometer so in 3:25 bis 3:30. Also nicht ganz so schnell wie früher, aber für mich ideal. Ich hatte einen Puls um die 90 % der Hf max. Die Gruppe blieb so zusammen bis zum Anfang der Steigung am Philosophenweg. Der spätere Vierte zog hier richtig das Tempo an. Ich versuchte nur ganz kurz mitzugehen. Aber das Tempo war ziemlich hoch und so früh wollte ich die Karten nicht aufdecken. Ich lief einfach immer hinter meinem alten Kumpel Matze Pfähler her. Er kann das Tempo so richtig gut langsam steigern. Schon am Kulminationpunkt hatten wir vier frühe Ausreißer wieder eingeholt. Es macht richtig Spaß, wenn man merkt, dass die Eingeholten schon ihre besten Karten ausgespielt haben und deine eigenen Karten immer besser werden. Die ersten Kilometer wollten die Überholten noch einmal bluffen und zogen dass Tempo unverhältnismäßig stark an. Doch anders als beim Poker kann man einen Bluff beim Laufen sofort am lauten angestrengten Atemrhythmus der Mitläufer erkennen. Das war nur ein Strohfeuer und schon vor dem schweren Anstieg am Klosterbuckel waren Matze und ich zu zweit auf Position 6 und 7. Kurzfristig überholten wir sogar in der steilen Bergabpassage nach Ziegelhausen noch einen Läufer, aber der Junge war auf der Ebene einfach zu schnell für uns, so dass wir ihn wieder laufen lassen mussten. Beim Halbmarathon in Heidelberg hat sich für mich bewährt erst auf den letzten 5 km alles zu geben. Eher sogar noch später. So ging es über die Brücke nach Schlierbach.

Alles ok immer schön hinter Matze her, obwohl es mir langsam schwer fiel. Der Moment der Wahrheit rückte näher. Irgendwann musste ich meine Karten auf den Tisch legen. Am steilsten Stück in Schlierbach an der Kapelle verlor ich den Anschluss an Matze. Trotzdem war ich noch lange nicht fertig. Ich lief einfach mein Tempo bis zum Schloss. Früher hatte ich auf dieser Passage immer Probleme, doch diesmal verlor ich keine Plätze mehr. Ich stürzte mich den Schlossberg hinunter und auf der langen Zielgerade konnte ich Matze als fünften und den sechsten immer sehen. Aber näher kam ich auch nicht. So lief ich dann als siebter über die Ziellinie. Am Ende musste ich erfahren, dass ich nur Achter war, weil der Siebte später über die Startlinie gegangen war und so seine Nettozeit geringer war als meine. Na gut. So schlimm war das auch nicht. Ich habe alle meine Ziele erreicht:
Sieg in der Alterklasse M45.
Eine Zeit unter 1:20 und
ein Platz unter den ersten Zehn.
Ich bin voll zufrieden mit meinem Rennen.
Im Mai mache ich keine weiteren Wettkämpfe sondern konzentriere mich voll auf die Vorbereitung auf den Ironman Frankfurt.
Am 4. Juni mache ich einen Mitteldistanztriathlon in Frankreich als Vorbereitung und dann möchte ich mal wieder einen richtig guten Ironman raushauen. Das wird noch ein längeres Pokerspiel.

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