Montag, 13. Juni 2016

Spione und andere Decknamen in Frankreich

5. Platz insgesamt und 1. Veteran beim Triathlon in Obernai

Es war wieder mal ein Triathlon so richtig nach meinem Geschmack: harte Radstrecke von der Rheinebene im Elsass bis zu einem Pass auf 1099 m Höhe dazwischen noch weitere kleinere Pässe zwischen 800 und 900 Metern Höhe. Danach eine Laufstrecke mit nochmal 300 Höhenmetern auf wechselndem Untergrund mit Pflaster, Asphalt, Schotter und Wiese. Also alles dabei. 
Dazu eine perfekt geplante Renneinteilung und ein Ergebnis, das mich voll zufrieden stellt. Die Ziele diesmal waren:

  1. Sieg in der Altersklasse
  2. Ein Platz unter den ersten Zehn in der Gesamtwertung
  3. Renneinteilung und Material für Frankfurt testen
Alle Ziele abgehakt.
Aber ein Triathlon ist ja nicht nur das Abhaken von Zielen. Der Weg ist das Ziel, wie man so schön sagt.

Der Triathlon in Obernai ist so was wie unser Familienausflug ins Elsass. Meine Tochter hat hier vor zwei Jahren den Entschluss gefasst auch mit dem Triathlon anzufangen. Dieses Mal war sie dann selbst auf der Sprintstrecke am Start und konnte gleich als Zweite in der Juniorinnenklasse auf das Treppchen.
Auch der Rest der Familie war extra angereist und unterstützte uns tatkräftig.
Ich war also nicht allein in meinen Rennvorbereitungen. Ich war so bemüht um Elisa, dass ich meinen eigenen Zeitplan etwas vernachlässigte und so das Einschwimmen verpasste. Gerade als ich ins Wasser wollte, wurde das Einschwimmen beendet. Also gut, dann halt ohne Einschwimmen, ich hatte mich ja schon vorher zu Fuß eingelaufen.
Beim Schwimmen ließ ich es diesmal locker angehen. Ich wollte auf keinen Fall gleich los sprinten um dann mit übersäuerten Oberschenkeln den Rest der Schwimmstrecke zu leiden. Das hatte dann zur Folge, dass ich vielleicht nicht die optimale Gruppe erwischte, aber die Schwimmzeit war dennoch im Rahmen und ich verließ das Wasser relativ entspannt. Es war Teil meines Plans die Schwimmstrecke ähnlich zu schwimmen wie im Ironman: so schnell wie möglich aber mit so wenig wie möglich Energieeinsatz.
In der Wechselzone erkannte ich Thomas Bosch den Sieger des Breisgau Triathlons von vor zwei Jahren und einen Athleten mit einem grauen Vollbart. Oho, das musste ein Konkurrent um die Altersklassenwertung sein. Also Achtung. Obwohl ich meinen Wechselbeutel nicht sofort fand, war mein Wechsel deutlich schneller als der Wechsel von Thomas und Huub. Wer ist Huub? Das war der Deckname für den Mann mit dem grauen Vollbart, weil er einen Triathlonanzug der Marke Huub an hatte. Ich denke mir oft Decknamen für Konkurrenten im Rennen aus, wenn ich ihre richtigen Namen nicht kenne. Es gibt aber auch Decknamen für Konkurrenten, deren Namen ich kenne. So gibt es zum Beispiel auch "das Pferd von Lucky Luke". Ich verrate aber nicht, wer das ist.
Es dauerte ein paar Kilometer bis Thomas und Huub zu mir auf der Radstrecke aufschlossen, obwohl ich es auf dem Rad relativ locker angehen ließ. Ich ließ sie gerne überholen. Huub machte sogar für Thomas das Tempo. Das hielt ich doch für sehr gewagt von Huub als Alterklassenathlet einen Profi zu pacen. Entweder er ist ein Ex-Radprofi oder er übernimmt sich hier ein bisschen. Ich ließ die beiden einfach ziehen, weil ihr Tempo zu hoch war um für mich noch unter 80 % der HF max zu bleiben. Ich wollte ja zumindest am Anfang das Ironmantempo imitieren.
So ging es dann die ersten flachen und faux plat Kilometer in Richtung Vogesen. Ich überholte ein zwei Athleten und wurde aber auch selbst wieder überholt. So zum Beispiel von Thomas Heuschmidt, der mit dem normalen Rennrad unterwegs war und wie gewohnt so richtig aufs Tempo drückte. So war das Podium von Malterdingen 2014 komplett in Obernai wieder vereint. Diesmal ließ ich mich nicht auf einen Kampf mit den beiden Thomassen ein. Ich bin zwei Jahre älter und die beiden wohl zwei Jahre besser. Außerdem wollte ich meinen Pokerplan Ironman-Test voll durchziehen. Das heißt immer schön zurückhalten bis auf die letzten 12 km beim Laufen.
So verschwanden die drei, Thomas B. und Thomas H. mit Huub im Wald der Vogesen. In den ersten steileren Stücken hatte ich noch ein battle mit einem ganz jungen Athleten auf einem normalen Rennrad und einem anderen Athleten. Ich hielt mich am Berg zurück, so dass sie mich immer wieder überholten und schon am Anfang unnötig Energie verpulverten. Auf den Bergabstücken machte ich Druck und hielt meinen Puls konstant hoch. Es war leicht bergab an dem Jungen vorbei zu fahren, weil ein Zeitfahrrad einfach besser rollt als ein normales Rennrad. Ich wusste, selbst wenn ich nicht für Frankfurt übte, würde ich ein Zeitfahrrad wählen, obwohl die Strecke extrem lange Anstiege hat und gefährliche Abfahrten. Nur auf den Abfahrten wünschte ich mir manchmal  bessere Bremsen als die integrierten im Canyon Speedmax.
So ging es dann schön bergig und auf feuchten Straßen die Cols der Vogesen auf und ab. Am Col du Kreuzweg kam noch ein Franzose von hinten auf einem normalen Rennrad an. Aber auch um ihn machte ich mir keine Sorgen, weil ich mir sicher war, auf den welligen Abschnitten hänge ich den sicher wieder ab. Nur Huub mit Vollbart war nirgens zu sehen. Das beunruhigte mich doch ein bisschen auf den Streckenabschnitten, wo man ziemlich weit sehen konnte. Ich hielt sogar eine Frau mit rotem Oberteil, die nur an der Strecke wanderte für einen Konkurrenten, nur um dann als ich näher kam enttäuscht festzustellen, das war nicht Huub.
Am Champ de Feu auf 1099 m Höhe wurde es dann kalt und regnerisch. Trotzdem war die Aussicht auf noch höhere baumlose Vogesengipfel sehr schön. Von da an machte ich ein bisschen Dampf um wieder warm zu werden. Und tatsächlich habe ich vom Champ de Feu bis zum Ziel in Obernai nichts mehr auf die schnellsten Radfahrer wie Thomas Heuschmidt verloren. Das habe ich später auf Strava festgestellt. Nur einer hat mich auf dem Rückweg noch überholt. Das war Guillaume. Also Deckname "Günther" für Günther Guillaume der Spion von Willi Brandt. Ich musste einfach an diesen Decknamen denken, als der Radfahrer mit Guillaume auf dem Anzug an mir vorbei rauschte. Er riskierte ziemlich viel auf den nassen Straßen. Das war mir zu gefährlich heute. Ein Streckenposten rief mir noch zu: "Ca glisse dans la descente!". Also Vorsicht war in der Abfahrt vom Mont St. Odile geboten. Meine vorsichtige Fahrweise schien sich genau in dem Moment zu bestätigen, als ein Rettungswagen mit Blaulicht mir von unten entgegen kam. Wenn ich die Kurve geschnitten hätte, wäre ich wohl auf diesen Rettungswagen geknallt.
Teilweise konnte ich Günther noch sehen, aber das spielte jetzt keine Rolle mehr. Der zweite Wechsel kam immer näher und ich fühlte mich noch richtig frisch.

Raus aus den Radschuhen, Bein über den Sattel, auf einem Bein im Pedal stehend auf dem Schuh und dann kurz vor dem Balken abspringen und weiterlaufen. Ein Radwechsel wie aus dem Bilderbuch war mir gelungen. Und zu meiner großen Überraschung und Freude waren "Günther" und "Huub" am Ende der Wechselzone noch zu sehen.

So jetzt konnte das Laufen beginnen. Aber immer schön kontrolliert. Ich musste so als 10. gewechselt haben. Mein erstes Ziel unter die ersten 10 zu kommen, war schon fast im Kasten. Mittlerweile war es richtig heiß und bei hoher Luftfeuchtigkeit durch den Regen in der Nacht vorher, war das Laufen gar nicht so angenehm und mein Puls schoss in ungeahnte Höhen. Dazu kamen noch die anspruchsvollen Anstiege auf der Laufrunde. Das hieß erst einmal war Zurückhaltung beim Tempo angesagt. Günther und Huub mussten noch warten mit dem Überholen. Aber zur Hälfte der ersten Runde war ich dran und ziemlich schnell an ihnen vorbei. Keine Gegenwehr. Sehr gut dann muss ich nicht kämpfen und kann mein Tempo schön kontrollieren. Auch die Verpflegung klappte hervorragend. Auf jeder Runde nahm ich ein Sponser Gel zu 70 g mit zwei Bechern Wasser zu mir. So werde ich es auch in Frankfurt machen. Erstaunlich, dass ich auf den knapp 20 km 3 x 70 g Kohlenhydrate aufnehmen kann.
In der zweiten Runde konnte ich weitere 2 Läufer überholen und zwar bergab, ohne große Anstrengung. Ich musste nur technisch einwandfrei laufen und die beiden kamen ganz schnell näher. 
Ich war jetzt schon auf Platz 6.
Auf der Laufstrecke kann man auf der Wendepunktstrecke am Ziel sehen, wer noch vor einem liegt. Vorne waren Thomas H, Thomas B und Frederic Schaffner. Den Sieger Cedric Oesterle hatte ich gar nicht auf der Rechnung. Dazu noch ein Läufer mit einem roten Anzug (der Rote), der mich auf dem Rad früh überholt hatte.
Auf die beiden Thomasse machte ich nichts gut. Sie waren etwa 10 m bis 20 m schneller als ich, als ich sie zum zweiten Mal traf. Auf Frederic Schaffner holte ich auf, aber ob das auf der letzen Runde noch reichen würde?  Der "Rote" war plötzlich weg. Trotzdem drehte ich jetzt erst richtig auf. Mein Puls stieg nochmal. Doch das sollte bis zum Ziel kein Problem mehr darstellen. Meine Muskulatur fühlte sich auch noch gut an. Kein Mann mit dem Hammer in Sicht.
Von hinten war auch nichts mehr zu befürchten.
Ich lief als 5. insgesamt ein. Beim Laufen hatte ich fünf Läufer mit der drittbesten  Laufzeit überholt.


Das war eine perfekte Renneinteilung.

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