Mittwoch, 13. September 2017

Europameister auf der Langdistanz in Almere

In den Niederlanden gibt’s endlich den ersehnten Titel

Jetzt habe ich es doch noch geschafft einen Titel über die Triathlon Langdistanz zu gewinnen. Am Wochenende war es soweit in Almere in den Niederlanden. Über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen war ich der schnellste bei den Europameisterschaften in meiner Altersklasse 45 - 49.
Dieses Jahr wollte ich nicht nach Hawaii zu den Weltmeisterschaften, weil ich mit 49 am Ende der Altersklasse wenig Chancen habe weit nach vorne zu kommen. Deshalb habe ich mir als Ersatz die Europameisterschaften in Almere ausgesucht.
Das kostet weniger und bedeutet auch nicht so viel Aufwand bei der Anreise.
Am Donnerstag fuhr ich die Radstrecke mit dem Auto ab. Einen Abschnitt erkundete ich auch mit dem Rad. Gleich danach lief ich die Laufstrecke ab. Sie ist nur 7 km pro Runde lang. Das geht auch noch am Donnerstag vor dem Wettkampf.
Am Freitag machte ich gar nichts außer Einchecken und Pasta Party. Das war genug Aktivität. Wenn es wärmer gewesen wäre, wäre ich vielleicht noch im See eine Runde auf der Wettkampfstrecke geschwommen aber Dauerregen und 16 ° laden nicht gerade zum Baden ein. Das Wetter war schon ein Vorgeschmack auf den Wettkampftag.
Am Samstag ging es dann um 7:30 Uhr auf die Schwimmstrecke. Das Wasser war mit 18° noch der wärmste Ort des Tages. Mit Neopren war das auszuhalten. Außerhalb regnete es auch. Es spielte also keine Rolle wo man nass wurde.
Der Start war fair, trotz der relativ vielen Teilnehmer. Ich brauchte erst ein paar hundert Meter zum wach werden. Mein Tempo war am Anfang ziemlich gemütlich. Schneller wurde ich erst als von hinten zwei Schwimmer an den Bojen neben mir auftauchten. Sie hatten sich wohl nicht so gut orientiert. Der Großteil der Teilnehmer schwamm an den geraden Richtungsbojen weit vorbei. Erst bei den Wendebojen kam alles wieder zusammen. Beim Schwimmen investierte ich diesmal nicht viel. Erstens weil ich irgendwie nicht auf Touren kam und zweitens, weil ich die schnellen Gruppen schon am Anfang verpasst hatte.
Außerhalb des Wassers ist es auch nicht trocken

Trotzdem hat mir meine solide Schwimmleistung wohl den Titel gesichert. Mit 57:20 min war ich etwas langsamer als in Frankfurt. Mein Ziel war genauso schnell wie in Frankfurt zu Schwimmen. Der Wechsel aufs Rad ging durch eine lange Wechselzone in eine Art Tiefgarage wo die Kleiderbeutel hingen. Dort war es trocken und man hatte auch genügend Platz zum Umziehen. Nachdem ich den Neopren abgelegt hatte, streifte ich mir meine Gabba Jacke über. Die Armlinge hatte ich schon beim Schwimmen an. Draußen regnete es immer noch in Strömen bei 13 bis 14°.
Gut eingepackt gegen den Regen und die Kälte
Die ersten 30 bis 40 km waren dann auch ziemlich kalt bis der Regen irgendwann ein bisschen nachließ. Ich war froh, dass ich meine warme Kleidung angezogen hatte. Andere waren nur im Triathlonanzug unterwegs oder hatten flatternde Regenjacken oder Westen an. Ich machte mir eine kleine Zwischenaufgabe, indem ich mir die Flattermänner vor mir am Wendepunkt merkte bis ich sie dann auf der Strecke einsammelte. Bei einem Franzosen dauerte das mehr als 100 km, aber es gab mir einen schönen kleinen Motivationsschub. Die Strecke in Almere ist außergewöhnlich flach; Gesamtanstieg auf 180 km nur etwa 30 HM, hatte ein Brite vor dem Start gesagt. Da geht es nur mal zum Deich oder über eine Brücke 3 Meter hoch. Das ist eigentlich nicht meine Stärke, aber an diesem Tag war meine Radzeit von 4:57 h absolut im Rahmen im Vergleich zu den anderen meiner Altersklasse. Im Vergleich zu den Schnellsten ist das natürlich etwas langsam. Die Zeiten, als ich mich mit den schnellsten vergleichen konnte, sind wohl endgültig vorbei. Trotzdem setze ich meine Leistung gerne in Relation zu den Besten. Wie schnell das ist bekam ich am Ende der ersten Runde mit, als jemand, der später eine 4:25 fahren sollte an mir vorbei rauschte. Ich dachte nur: das wäre schön, wenn ich da mitfahren könnte, aber es gelang mir nicht mal ein paar hundert Meter dran zu bleiben. Es ging gegen heftigen Gegenwind auf flacher Strecke, da hätte ich mir schön die Beine kaputt gefahren, wenn ich das länger gemacht hätte.
Seitenwind, gut für die Windräder - schlecht für den Radfahrer
Die zweite Runde wurde dann zäh. Auf der Strecke gibt es einen über 26 km langen Abschnitt nach Lelystad ohne Kreuzung oder Kurve. Das heißt 26 km in der Aeroposition bis auf eine Verpflegungsaufnahme, wenn ich dort ein Flasche nehme. Nicht dass ich das nicht trainiert hätte, aber unser Rheindamm bei Ketsch mit 8 km kann dagegen nicht anstinken. Das wird dann mit der Zeit etwas eintönig und mit gesenktem Blick auf den Asphalt fühlt man sich unter dem Aerohelm wie in einer Blase. Nur der prasselnde Regen, die Nässe von unten und der frische Wind erinnern einen wieder an die Realität des Wettkampfs. Bei Regen fahre ich übrigens gerne mit dem schlecht belüfteten Aerohelm. Da bleibt mein Kopf wenigstens trockener. Hatte ich auf der ersten Runde noch einige Begleiter in Sichtweite vor mir, so war es auf der zweiten Runde ziemlich einsam. Ich sah niemanden mehr in der Ferne. Hätte ich die Strecke nicht schon in der ersten Runde gefahren, hätte ich mit Gedanken gemacht, ob ich noch richtig bin. Die Einsamkeit ist auch ein Grund, warum der Wettkampf viel stressfreier ist als Frankfurt oder Hawaii. Dort muss man ständig aufpassen nicht im Windschatten zu fahren. Hier in Almere wäre jedes Windschattenfahren schon aus meilenweiter Entfernung aufgefallen. Außerdem war genügend Platz es einfach zu vermeiden. Durch die vielen Windräder war ich jederzeit im Bilde wo der Wind herkommt. Leider wandten sich die Propeller gegen Ende immer mehr von mehr weg. Das konnte nur eines heißen: Gegenwind. Zum Glück hatte ich keinen Tacho und auf meiner Polar V800 war die Geschwindigkeit auch nicht eingestellt, sonst hätte ich mich bestimmt über mein geringes Tempo in der Ebene aufgeregt. Nur der Puls sollte mich leiten. Bei der Ernährung hielt ich mich an meinen neuen Plan von CORE, der das gesamte Rennen hervorragend funktionierte. Ich hatte keinerlei Probleme mit der Verdauung, der Flüssigkeitsaufnahme und der Energiebereitstellung. In letzter Zeit habe ich mich immer verkalkuliert und viel zu viel Gel genommen und zu wenig Flüssigkeit. Ich wiege ja nur 63 kg, da brauche ich nicht die Gel Rationen von Athleten die 10 bis 20 kg schwerer sind als ich.
Am Ende der Radstrecke überholte ich noch einen völlig durchgefrorenen Israeli, der wahrscheinlich genauso erleichtert war, wie ich nach 50 km Alleinfahrt endlich mal wieder einem Konkurrenten zu begegnen. Nach  dem Wechsel in die Laufschuhe war auf der Laufrunde schon mächtig viel los durch den parallel stattfindenden Mitteltriathlon. Das ist auch der einzige Kritikpunkt an der Veranstaltung. Die Laufstrecke spielt sich auf einer 7 km Runde ab. Auf dieser tummeln sich dann alle Mitteltriathleten und Langdistanzler. Das wird ganz schön eng.
Die ersten 10 km lief ich in 40 min. Das war phänomenal! Ich wusste natürlich, dass ich das nicht bis zum Ende durchhalten kann, aber es beflügelte mich. Ich konnte auch die erste Runde locker in einigem Abstand hinter dem später 5.Platzierten  Evert Scheltinga herlaufen.
Endlich auf der Zielgeraden
Auch die dritte und vierte Runde gingen noch ganz ordentlich. Doch in der fünften und sechsten Runde war meine vordere Oberschenkelmuskulatur völlig ermüdet. Ich konnte meinen Laufstil nicht mehr aufrechterhalten. Das war der limitierende Faktor. Energie- und Flüssigkeitsaufnahme stellten diesmal dank neuem Plan überhaupt kein Problem dar. So kam ich dann nach 9:19 h im Ziel an. Die Gesamtzeit und die Laufzeit von 3:17 h sind nun nicht überragend, aber im Vergleich zu den anderen in meiner Altersklasse reichte es für den Sieg und  immer noch zur zweitbesten Laufzeit. In der Gesamtwertung der EM war das auch noch der 32. Platz. Astrid hatte mir schon unterwegs zugerufen, dass es zum ersten Platz in der AK reichen würde. Ich hörte auch wie der Sprecher meinen Namen als Sieger der AK 45 verkündete. Doch zum ausgelassenen Jubel war ich nach der Kälte und Anstrengung auf den letzten Kilometern der Laufstrecke nicht mehr in der Lage. Meine Muskulatur war so leer, dass ich nicht mal mehr aus dem Sitzen aufstehen konnte. Trotzdem fühlte ich mich so gut wie lange nicht mehr nach einer Langdistanz. In Frankfurt brauchte ich ja 2 Infusionen um wieder auf die Beine zu kommen.
Das Rennen war gut eingeteilt, und die Ernährung stimmte auch. Nach kurzer Erholungsphase langte ich kräftig am exzellenten After Race Büffet mit Pommes und anderem zu.
Jetzt mache ich erst mal eine längere Trainingspause, bis ich wieder raus muss um mich wohl zu fühlen. In Zukunft muss ich mich noch etwas verbessern auf der letzten Hälfte des Marathons. Aber das ist wohl das schwierigste, was es gibt im Langtriathlon. Wie will man die Phase von Stunde 7 auf 9 im Training verbessern? Ich trainiere ja nie so lange. Vielleicht probiere ich mal lange Trainings beim Radfahren und Laufen mit Endbeschleunigung aus. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Mein Training auf die EM stand ohnehin unter dem Motto: "Mach was möglich ist, ohne Stress, und was rauskommt, kommt raus." Im Durchschnitt habe ich seit Frankfurt 13 h pro Woche trainiert zwischen 9 h Minimum und 17 h Maximum während des Urlaubs. Das könnt ihr alles bei Strava sehen.

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